Translation below into German (Andreas Mylaeus)
Update: Krieg zwischen Israel und Hamas
Durch einen sanften Anstoß des indischen Senders WION, der mich heute früh um ein Interview gebeten hat, bin ich auf einige der jüngsten Entwicklungen im Nahostkonflikt gestoßen, die die Aufmerksamkeit der Russland-Beobachter und der internationalen Gemeinschaft verdienen. Ich habe das Interview genutzt, um diese zu erwähnen, wie Sie feststellen werden, sobald der Link unten veröffentlicht ist.
Ich habe insbesondere auf die wichtigste Nachricht in Russland heute hingewiesen: die Wiederaufnahme des Flugverkehrs auf dem Flughafen von Machatschkala in Dagestan, einer Region der Russischen Föderation nördlich des Kaukasus mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung, aber auch einer nennenswerten Minderheit von etwa 30.000 Juden, die sich vor allem in der alten Stadt Derbent konzentrieren, wo es seit den Anfängen der Diaspora vor vielen Jahrhunderten eine jüdische Gemeinde gibt. Der Flughafen wurde geschlossen, nachdem ein Mob ein gerade gelandetes Flugzeug aus Tel Aviv angegriffen hatte, mit dem Dagestan regelmäßige Direktflüge unterhält. Sie waren auf der Suche nach israelischen Passinhabern und Juden, von denen sie fälschlicherweise annahmen, dass sie sich gegen ihren Willen in Dagestan niederlassen würden. Der Mob geriet mit Flughafenmitarbeitern und Vollzugsbeamten aneinander, bevor er festgenommen und abgeführt wurde.
Diese hässliche Entwicklung unterstreicht die Bedeutung des gestrigen Treffens von Präsident Putin mit den Oberhäuptern aller offiziell anerkannten Religionen in der Russischen Föderation, das in keinem Zusammenhang steht. Er rief angesichts der Provokationen aus dem Nahen Osten zu gegenseitigem Respekt und zur multinationalen und multikonfessionellen Solidarität im heutigen Russland auf. Aus Gründen des inneren Friedens wahrt Russland im Konflikt zwischen der Hamas und Israel Neutralität.
Wie ich in dem Interview erwähne, können die Spannungen, die durch Israels anhaltende Gräueltaten im Gazastreifen entstehen, ethnische und religiöse Unruhen in allen Ländern mit gemischter Bevölkerung auslösen. Das betrifft Europa, das sich mit einigen Ausnahmen bei der Abstimmung der UN-Generalversammlung am vergangenen Freitag, bei der eine sofortige Waffenruhe gefordert wurde, der Stimme enthalten hat, und auch Indien, das dasselbe getan hat. Und zwei dieser europäischen Ausnahmen haben bedauerlicherweise mit den Vereinigten Staaten gegen den Resolutionsentwurf gestimmt.
Was die Lage vor Ort im Nahen Osten betrifft, so hat sich in den letzten 24 Stunden wenig geändert. An der libanesischen Grenze schlägt die Hisbollah nur sporadisch auf israelische Aufklärungstürme ein. Auch an der syrischen Grenze ist keine nennenswerte Zunahme der Gewalt zu verzeichnen.
Israel setzt seine intensive Bombardierung des Gazastreifens fort, wobei der Schwerpunkt auf Gaza-Stadt liegt, und seine Bodentruppen rücken angeblich in die Enklave vor. Der jüngste Alarm wegen drohender Kriegsverbrechen und humanitärer Katastrophen konzentriert sich auf das Al-Quds-Krankenhaus im Norden des Gazastreifens, dessen Evakuierung die Israelis vor einem geplanten Bombenangriff angeordnet haben, die aber nach Angaben der Krankenhausbehörden aufgrund der großen Zahl von Patienten in kritischem Zustand, die an lebenserhaltenden Geräten hängen und nicht transportiert werden können, sowie der Tausenden obdachlosen Zivilisten, die dort Zuflucht gefunden haben, unmöglich ist.
Wir haben gelesen, dass Präsident Biden die Israelis nachdrücklich aufgefordert hat, humanitäre Hilfe in die Enklave zu lassen, und dass davon die Rede ist, die tägliche Durchfahrt von Lastwagen nach Gaza auf 100 zu erhöhen. Bislang ist das nur Gerede.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich UN-Generalsekretär Antonio Gutteres für seine mutige Kritik an den israelischen Behörden wegen des Leids, das sie den Palästinensern während der jahrzehntelangen Besetzung ihres Landes zugefügt haben, und für seine wiederholten Aufrufe zur Wiederaufnahme der Lieferungen von Lebensmitteln, Wasser und Treibstoff in den Gazastreifen loben. Eine solche Haltung gegenüber dem von den Vereinigten Staaten geführten kollektiven Westen haben wir seit den Tagen von Dag Hammarskjold nicht mehr erlebt, und wir alle wissen, was Hammarskjolds Mut ihm gebracht hat. Es ist schade, dass Gutteres in Bezug auf die im Vorfeld des russisch-ukrainischen Krieges getöteten Zivilisten im Donbass und insbesondere in Bezug auf die ukrainischen Angriffe auf das Atomkraftwerk in Saporoshje im vergangenen Jahr völlig kleinlaut war.
Ich habe bereits erwähnt, dass Russland derzeit nicht in den Nahostkonflikt hineingezogen werden möchte. Ungeachtet der offenen Feindseligkeit des Iran gegenüber Israel hält sich Teheran vorerst ebenfalls zurück. Diese Zurückhaltung setzt natürlich voraus, dass der Krieg nicht weiter eskaliert, sondern unter dem Druck Chinas, Russlands und des globalen Südens zum Stillstand kommt. Im Moment kann niemand mit Sicherheit sagen, was als nächstes kommt.
Nachtrag: Im Laufe des Montags veröffentlichte das russische Staatsfernsehen die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen zu den gestrigen Ausschreitungen auf dem Flughafen von Machatschkala. Demnach waren die ukrainischen Geheimdienste die Anstifter und arbeiteten mit einem russischen Verräter namens Ponomarjow zusammen, der nach Kiew zog, die ukrainische Staatsbürgerschaft annahm und seitdem antirussische Aktivitäten organisiert. Ponomarjow steckte hinter dem bewaffneten Überfall auf die Region Belgorod in der Russischen Föderation jenseits der Grenze zu Charkow zu Beginn dieses Jahres. Ein von Ponomarjow vor einem Jahr eingerichteter Telegram-Kanal namens Utro Dagestana (Dagestan Morning) koordinierte das geplante Pogrom gegen die Passagiere eines aus Tel Aviv eintreffenden Flugzeugs mit dem Ziel, Russland auf der Weltbühne zu diskreditieren und ethnische und religiöse Zwietracht in Russland zu säen. In einem Videointerview, das Ponomarjow früher am Tag gab, bestätigte er, dass Utro Dagestan tatsächlich verantwortlich war. Diese Fakten wurden heute Abend in einer Fernsehansprache von Wladimir Putin vor Regierungsvertretern genannt, die eingeladen waren, die Bedrohung des inneren Friedens in Russland durch solche Pogromversuche zu erörtern.