For those who want a recapitulation of the warning given in St Petersburg on Thursday and its consequences in Washington on Friday, here is a six minute summary which I provided to Iran’s English-language global broadcaster Press TV yesterday:
https://www.urmedium.net/c/presstv/130785
Translation below into German (Andreas Mylaeus) of text and transcription followed by a transcription of the interview in English
Press TV, Iran: Eine sechsminütige Zusammenfassung von Wladimir Putins Warnung an die NATO und ihre Folgen
Für diejenigen, die eine Zusammenfassung der Warnung vom Donnerstag in St. Petersburg und ihrer Folgen am Freitag in Washington wünschen, habe ich gestern eine sechsminütige Zusammenfassung für den englischsprachigen globalen Sender Press TV des Iran präsentiert:
https://www.urmedium.net/c/presstv/130785
PressTV: 0:00
Nun, wir sind jetzt mit dem unabhängigen internationalen Analysten Gilbert Doctorow verbunden, der sich uns aus Brüssel anschließt. Herr Doctorow, willkommen in der Sendung. Zunächst einmal, erläutern Sie uns doch bitte die erneute Warnung Russlands an die USA und ihre NATO-Verbündeten. Und was erwarten Sie? Welche Art von Reaktion erwarten Sie von Moskau?
Gilbert Doctorow, PhD: 0:24
Moskau gab seine Warnung heraus, oder genauer gesagt, Präsident Putin stellte Bemerkungen zusammen, die in den letzten Wochen von seinen Untergebenen gemacht worden waren. Nun übernahm er die Verantwortung dafür, als er am Donnerstag zu mehreren Treffen in St. Petersburg war und einem der führenden Moderatoren des staatlichen Fernsehens ein Interview gab, und zwar in einer Sendung mit dem Titel „Moskau, Kreml, Putin“.
In dieser fünfminütigen Frage-Antwort-Sequenz sagte er sehr ruhig, sehr überzeugend und ohne jegliche Emotionen, welche Position Russland zu einer möglichen Erlaubnis der USA und der NATO für den Einsatz von Langstrecken-Präzisionsraketen einnimmt, die der Westen der Ukraine im Krieg der Ukraine geliefert hat. Selenskyj beabsichtigt, diese für Langstreckenangriffe im Landesinneren, in Zentralrussland, einzusetzen.
1:32
Was Herr Putin sagte, war zunächst eine Erklärung dessen, was wir in der Vergangenheit gehört haben. Die russische Position ist, dass es nicht um eine Frage der Erlaubnis geht, sondern um den tatsächlichen Einsatz dieser Raketen durch die NATO-Staaten, die sie geliefert haben, was sie zu Mitschuldigen macht oder sie eindeutig zu Kriegsteilnehmern gegen Russland macht, wenn diese Praxis zur offenen Politik der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gemacht wird. Ich sage, wenn dies zur offenen Politik gemacht wird, denn de facto wurden die fraglichen Raketen, die in den USA hergestellten ATACMS und die in Großbritannien hergestellten Storm Shadow, von der Ukraine tatsächlich eingesetzt, um innerhalb der russischen Grenzen zuzuschlagen.
2:19
Sie sind auf der Krim eingeschlagen, die Russland als zu Russland gehörig betrachtet, und sie sind in den letzten Monaten in Gebieten nahe der Grenze zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation eingeschlagen. Beide Raketentypen sind den Russen inzwischen wohlbekannt, und sie haben sie erfolgreich zerstört, entweder durch Abfangen oder durch elektronische Kriegsführung. Dennoch stellen sie eine erhebliche Bedrohung dar. Eine hundertprozentige Luftverteidigung gibt es nicht.
Und wenn Storm Shadow beispielsweise auf die Kertsch-Brücke gerichtet wäre – was durchaus denkbar ist, da die Briten dahinterstecken und wenn die Briten versuchen sollten, diese symbolische und mit enormen Investitionen der Russischen Föderation erstellte Brücke zu zerstören, die das russische Festland mit der Halbinsel Krim verbindet – wenn das passieren würde, dann hätte das verheerende Auswirkungen auf die Moral und das Selbstbewusstsein der Russen und auf die russische Öffentlichkeit, die die Fähigkeit der Regierung, sie zu verteidigen, in Frage stellen würde.
3:25
Es geht hier also nicht so sehr um die militärische Wirkung der jeweiligen Waffensysteme, sondern um den Versuch, das politische System des Landes zu destabilisieren, worum es dem Westen von Beginn des Konflikts Russlands und des Westens über die Ukraine an ging. Die Absicht der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten, Russland eine demütigende Niederlage zuzufügen, sollte, wie es bei solchen Niederlagen immer der Fall ist, eine politische Wirkung haben, die Instabilität schafft und eine bestehende Regierung stürzt.
4:01
Nun sagte Herr Putin nicht nur, dass diese Raketen von den NATO-Lieferanten kontrolliert werden würden, da die Ukraine nicht in der Lage sei, sie zu warten, selbst die Ziele zu programmieren und auf die Aufklärung durch Satelliten angewiesen sei, die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten bereitgestellt werden, sowie auf Techniker vor Ort in der Ukraine, die eigentlich alles tun, außer den Knopf für den Abschuss zu drücken. Das ist Punkt eins.
4:34
Punkt zwei ist, dass Russland dies so auffasst, dass die Lieferanten dieser Raketen de facto als Mit-Kriegsbeteiligte zu betrachten sind, dass sie sich an einem Krieg gegen Russland beteiligen und dass Russland dementsprechend Maßnahmen ergreifen muss, je nachdem, wie gross die Bedrohung durch diese Angriffe eingeschätzt wird. Das ist eine sehr klare Botschaft – an Großbritannien, das als erstes vorgeschlagen hat, der Ukraine seine „Storm Shadow“-Raketen für Angriffe überall im Kernland Russlands zur Verfügung zu stellen, und an die Vereinigten Staaten für ihre ATACMS-Raketen, die, wie gesagt, bereits eingesetzt wurden und möglicherweise auf die gleiche Weise eingesetzt werden könnten, um 500 Kilometer tief in die Russische Föderation einzudringen.
5:27
Die Auswirkungen dessen waren im Westen unmittelbar spürbar, obwohl man das aus keiner Erklärung der US-Regierung und der Mainstream-Medien entnehmen kann. Die US-Regierung wird in keiner Weise zugeben, dass Herr Putin von ihrer Führung ernst genommen werden könnte, de facto wurde er es aber. Das erste, was innerhalb weniger Stunden nach Putins Demarche geschah, war, dass das Weiße Haus – noch vor der Ankunft des britischen Premierministers Keir Starmer, um genau diese Frage der Raketen in der Ukraine zu besprechen – erklärte, dass es keine Änderung der Politik gebe. Das bedeutet, dass es den Einsatz seiner Waffen in der Ukraine für Angriffe im russischen Landesinneren nicht zulässt.
PressTV: 6:21
Richtig. Vielen Dank. Der unabhängige Analyst für internationale Angelegenheiten Gilbert Doctorow, der aus Brüssel zugeschaltet ist.
Transcription in English below submitted by a reader
PressTV: 0:00
Well, we’re now joined by independent international affairs analyst Gilbert Doctorow, who’s joining us from Brussels. Mr. Doctorow, welcome to the program. First of all, walk us through Russia’s warning yet again to the US and its NATO allies at this point. And what are you expecting? What kind of a response are you expecting to see from Moscow?
Gilbert Doctorow, PhD: 0:24
Moscow issued its warning, or to be precise, President Putin put together remarks that had appeared in the last several weeks made by his subordinates. Now, it was he who took charge of this, when he was in St. Petersburg for several meetings on Thursday and gave an interview to one of state television’s leading hosts, one on a program that’s called “Moscow, Kremlin, Putin.”
In this five-minute question-answer, he said very calmly, very cogently, and without any sense of emotion, what Russia’s position is on the possible US and NATO permission for use of long-range precision missiles supplied by the West to Ukraine in Ukraine’s war, the intention of Zelensky being to use these for long-range strikes inside the interior, central Russia.
1:32
What Mr. Putin said was first explaining what we’ve heard in the past. The Russian position is that it is not an issue of permission, it is an issue of actual operation of those missiles by NATO countries that supplied them, which makes them co-belligions, or makes them clearly waging a war on Russia, if this practice is made the open policy of the United States and its allies. I say if it’s made the open policy, because de facto the missiles that are in question right now, the American-made ATACMSs and the British-made Storm Shadow, have in fact been used by Ukraine to strike within Russian borders.
2:19
They struck in Crimea, which Russia considers to be its own, and they have struck in areas near the border between Ukraine and the Russian Federation over the past several months. Both of these missiles are well known now to Russians, who have successfully destroyed them, either by interception or by electronic warfare means. Nonetheless, they pose a significant threat. You never can have 100% air defense.
And if, for example, Storm Shadow were directed at the Kerch Bridge– which is entirely thinkable, since the British are behind this and the British have been seeking to destroy that symbolic and enormous investment of Russian Federation in a bridge that connects mainland Russia to the Crimean Peninsula– if that were to happen, then it would have a devastating effect on Russian morale, Russian self-confidence, and on the Russian public, who would question the ability of the government to defend them.
3:25
So there is in question here not so much a military impact of the given weapon systems, but an attempt to destabilize the country’s political system, which from the very beginning of the conflict between Russia and the West over Ukraine has been about that. The intention of the United States and its allies to deal a humiliating defeat on Russia has, as is always the case in such defeats, a political impact to create instability and overthrow an existing government.
4:01
Now, Mr. Putin said not only that these missiles were going to be controlled by the NATO suppliers, because the Ukraine has no ability to maintain them, to target them on its own, and is dependent on reconnaissance from satellites supplied by the United States and its allies, and on technicians on the ground in Ukraine, who actually do everything except push the button for them to be fired. That is point one.
4:34
Point two is that Russia considers this to mean that the suppliers of these missiles are de facto co-belligerents, that they are engaging in a war on Russia and that Russia must take steps accordingly, depending on the level of threat that it perceives by these strikes. Now this is a very clear message. to Britain, who are foremost in proposing that their storm shadow be available to Ukraine for striking anywhere in the heartland of Russia, and to the United States for its ATACMSs, which, as I say, have already been used and could potentially be used in the same way, to attack 500 kilometers into the Russian Federation.
5:27
The impact of this in the West was immediate, although you will not know that from any statement by the US government and from mainstream media. who will in no way, shape or form admit that Mr. Putin could be taken seriously by their leadership, de facto he was. The first thing that happened within hours of Mr. Putin’s demarche is that the White House– ahead of the arrival of the British prime minister, Keir Starmer, to discuss precisely this question of missiles to Ukraine– the White House stated that there is no change in policy. which is not allowing use of its weapons in Ukraine for striking the interior.
PressTV: 6:21
Right. Thanks a lot. Independent international affairs
analyst Gilbert Doctorow, joining us from Brussels.