‘Teilmobilisierung’ und Demokratie

Hat die „Teilmobilisierung“ der russischen parlamentarischen Regierungsstruktur und der breiteren Gesellschaft eine reinrassige Demokratie eingehaucht?

Es ist normal, dass man davon ausgeht, dass Kriegszeiten eine Periode von verschärfter Zensur und immer stärkerer Kontrolle über die Gesellschaft insgesamt sind. In der Tat haben westliche Journalisten ihre Aufmerksamkeit auf die Schließung verschiedener notorisch als anti-Putin bekannter Rundfunkanstalten und Printmedien in Russland einschließlich Rain (Dozhd´) und Novaya Gazeta gerichtet. Sie haben über die Flucht von Herausgebern und Mitarbeitern ins Ausland berichtet, nachdem diese als „ausländische Agenten“ bezeichnet worden sind und erwarten konnten, dass sie gerichtliche Vorladungen bekommen würden.

Allerdings ist es für jeden objektiven außenstehenden Beobachter zunehmend klar, dass in den Tagen seit der „Teilmobilisierung“ der Reservisten ein sehr starker sozialer Aktivismus entsteht und dass der Damm der staatlichen Kontrolle gegenüber der freien Meinungsäußerung beiseite gefegt wird. Vor einer Woche, nachdem die Niederlagen auf dem Schlachtfeld und der Verlust von Territorien an den Feind nicht ignoriert werden konnten, haben Mitglieder der Staatsduma offen das Verteidigungsministerium dafür verurteilt, „Märchen“ über den Fortschritt der Kriegsereignisse in der Ukraine zu erzählen und Transparenz in der Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit herzustellen. Der Sprecher der Duma, Volodin, der der Führer der herrschenden Partei Einiges Russland ist, muss schockiert gewesen sein.

Inzwischen sehen wir im staatlichen Fernsehen Berichten Nachrichten über die landesweite Bildung von privaten Komitees zur Sammlung von Geldern für die Beschaffung von Gütern und die Verteilung von Bekleidung und andere Ausrüstungsgegenstände an die neuen Rekruten, die die Armee ihnen nicht zur Verfügung stellt, wenn sie sie an die Front schickt. Das wird als patriotische Unterstützung durch die russische Gesellschaft hingestellt, aber ein genauerer Blick zeigt, dass es eine scharfe Kritik an der Inkompetenz der Machthaber ist, die die Bürger ohne die notwendige Ausrüstung in den Krieg schicken.

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In den Vereinigten Staaten und in einem etwas geringeren Umfang wird die eskalierende Konfrontation zwischen Russland und der NATO in und über die Ukraine als eine Wiederholung der Akteure und Prinzipien dargestellt, die dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zugrunde lagen. Putin ist der heutige Hitler und die westlichen Führer müssen die demokratischen Institutionen gegen autoritäre Regime verteidigen, die sich aggressiv gegen Nachbarn verhalten.

In Russland wird die eskalierende Konfrontation ganz anders gesehen, nämlich als eine Wiederholung des Ersten Weltkrieges, als die Führer der Großmächte „schlafwandlerisch“ in die größte Tragödie aller Zeiten getaumelt sind, ohne den Abgrund vor sich zu sehen. Wenn sich der Kreml nicht vorsieht, könnte an der Heimatfront eine ähnliche Situation hinsichtlich des Beginns – und wichtiger hinsichtlich des Endes – des Ersten Weltkrieges entstehen. Jener Krieg endete für das zaristische Regime nicht gut und zu einem beträchtlichen Teil wurde es genau von der patriotischen Gesellschaft gestürzt.

Die derzeitigen Bilder im russischen Fernsehen von der Abreise der Reservisten in Provinzstädten mit Busladungen von Reservisten, die an jubelnden Bürgern mit kleinen Fahnen und Blumensträußen vorüberfahren, erinnern in unheimlicher Weise an alte Bilder aus der Zeit des Ausbruchs des Großen Vaterländischen Krieges. Die patriotischen Organisationen, die 1914 von örtlichen Politikern zur Förderung der Kriegsanstrengungen geschaffen worden waren, wurden mit der Zeit zu Brutstätten der offenen Kritik an den Armeeführern und der zaristischen Dynastie, die zu der Februar Revolution führten und die Abdankung von Nicholaus II erzwangen. Die Eliten im Kreml haben ein sehr gutes Gedächtnis und sind mit Sicherheit besorgt.

Warum sehen wir heute eine öffentliche Darstellung eines solchen zivilen Aktivismus? Was ist mit der passiven russischen Öffentlichkeit passiert? Die ein-Wort-Antwort ist Mobilisierung. Als Sergey Miheev, ein Diskussionsteilnehmer letzte Nacht in der Talk-Show von Vladimir Solovyov, erklärt hat, hat die Mobilisierung die bisherige eingeschränkte Militäraktion, die von Berufssoldaten durchgeführt wurde, in einen „Volks“krieg verwandelt und die Menschen wollen jetzt mitreden darüber, wie er geführt wird.

Das ist eine grundlegende Veränderung in der russischen Innenpolitik. Aber das war zu erwarten und die Schnelligkeit dieser Reaktion ist auch genau der Grund, warum der Kreml diese Mobilisierung, so lange er konnte, hinausgezögert hat.

Vor etwas weniger als einem Jahr habe ich einen Essay über die Passivität der russischen Steuerzahler veröffentlicht mit der pikanten Überschrift „keine Vertretung ohne Besteuerung“, die den Schlachtruf der amerikanischen Revolutionäre gegen die kolonialistischen Herren in England auf den Kopf gestellt hat. (Anm. des Übersetzers: damals „no taxation without representation“ – vgl. Boston Tea Party) – https://gilbertdoctorow.com/2021/11/03/no-representation-without-taxation/

Aus einer ganzen Reihe von Gründen stammt der Löwenanteil des russischen Staatsbudgets aus den Exportzöllen auf Gas und Öl und nur ein relativ geringer Anteil kommt von den Steuern der durchschnittlichen Bürger: die Einkommensteuer beträgt pauschal 15% und Eigentumsteuer auf Häuser und Apartments sind fast bei null, während die Regierung der breiten Bevölkerung freie staatliche medizinische Versorgung und freie Bildung zur Verfügung stellt. Aber wenn der russische Bürger ein direktes Interesse am Spiel hat, wie dies jetzt bei der Mobilisierung von Ehemännern und Vätern der Fall ist, kann diese passive Bürgerschaft sehr emotional und aktiv und stimmgewaltig werden.

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Die gestrige abendliche Talk-Show von Vladimir Solovyov war ein ausgezeichnetes Abbild exakt derjenigen Gedanken, die man andernfalls in den Heimen der Menschen hört, wenn sie sich in ihren Küchen mit ihren Verwandten und engen Freunden unterhalten. Da waren einige beachtenswerte Diskussionsteilnehmer, aber der umfassende Betrag stammte von Sergey Mikheev, den ich oben schon kurz zitiert habe. Er erhielt das Mikrophon für etwas mehr als zehn Minuten, wurde nicht unterbrochen, wie dies bei diesen Talk-Shows üblich ist, und hielt eine ergreifende programmatische Rede, die, wenn man sie untersucht, in schwerwiegender Weise kritisch nicht gegenüber den Generälen hinsichtlich ihrer unprofessionellen Handhabung der Kriegshandlungen, sondern gegenüber der politischen Führung war, direkt bis hin zu Vladimir Putin hinsichtlich des zutiefst verfehlten Konzepts darüber, wie der Krieg geführt werden sollte.

Die Mobilisierung ist nach Mikheev nurmehr eine Verlängerung oder Eskalation der verfehlten bisherigen Politik, nämlich des Versuchs, einen Artillerie- und Infanteriekrieg zu führen, bei dem Fortschritt in der Zerstörung ukrainischen Militärmaterials gemessen wird, anstatt einen totalen Krieg mit dem Schwerpunkt, die gesamte ukrainische Stromversorgung, Logistik und andere Infrastruktur zu zerstören, um die ukrainische Bevölkerung zu demoralisieren und die Armee ihrer Mittel zur Fortsetzung der Kämpfe zu berauben.

Mikheev sagte seinen Gegnern in Kreml, sie argumentierten damit, dass sie der Meinung seien, ihre Vorgehensweise sei humaner, dass Russland nicht die Absicht habe, die breite ukrainische Bevölkerung im Winter ohne Wärme oder Strom dastehen zu lassen oder unnötige zivile Tote bei seinen Raketenangriffen zu verursachen. Er bestand aber darauf, der humanere Weg wäre gewesen, der Ukraine bereits im März und April massive Schmerzen zuzufügen, um den Konflikt zu einem schnellen Ende zu bringen. Die Eskalation mit Babyschritten verlängere lediglich den Krieg und vergrößere das Risiko eines nuklearen Armageddon.

Mikheev sagte, wegen der Gebietsverluste während der kürzlichen ukrainischen Gegenoffensiven würden sich die Bürger an den Köpfen kratzen. Warum nutzt Russland die technologische Überlegenheit ihrer Waffen nicht zu seinem größtmöglichen Vorteil? Warum vergrößert es stattdessen nur die Zahlen der Frontsoldaten, als ob dies ein Krieg im 20. Jahrhundert und nicht eines im 21. Jahrhundert wäre?

Die Zweifel hinsichtlich der Art und Weise, wie der Krieg geführt wird, führen bei durchschnittlichen Russen dazu, dass sie das Vertrauen in ihre Führung verlieren und nach versteckten Verrätern suchen. Die Menschen fragen, ob die Oligarchen die Kriegsführung beeinflussen, um ihre eigenen Interessen zu schützen. In einem existenziell zu bezeichnenden Konflikt ist kein Raum für private Interessen, sagt Mikheev. Wie kann es sein, dass einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen die Zufahrt zu der Brücke erlaubt wurde, bei der angeblich die strengsten Sicherheitsvorschriften galten? Die Menschen denken, dass jemand geschmiert wurde, um das Fahrzeug ohne Untersuchung durchzulassen. Derartige zersetzende Gedanken können nur eine Änderung der Kriegsführung reduziert werden.

Eine noch vernichtendere Stellungnahme als diejenige, die Sergey Mikheev in der Livesendung der Solovyov Show präsentieren durfte, ist kaum vorstellbar. All die Berichte unserer Zeitungen über heimliche Botschaften an Putin aus Kreml-Kreisen verblassen im Vergleich dazu in ihrer Bedeutung.

Ein weiterer bemerkenswerter Diskussionsteilnehmer in der gestrigen abendlichen Show war  der Generaldirektor von Mosfilm, Karen Shakhnazarov, der, wie Mikheev, ein regelmäßiger Besucher in diesem Programm. Shakhnazarov hatte zwei Punkte beizutragen, einen kleineren und strikt professionellen aus seinem Bereich, der Welt des Entertainment, und einen anderen wichtigeren und mehr repräsentativeren über das Denken in Russlands „kreativen Schichten“. Der weniger wichtige Punkt betraf das heutige Fehlen eines umfassenden patriotischen Managements bezüglich der Kriegsanstrengungen. Bei allem Respekt für die Meisterschaft ausländischer Filmdirektoren und Produktionsfirmen, wie kann es sein, fragte er, dass unsere Fernsehstationen, einschließlich die privaten Station NTV, dieser Tage Rambo-Filme zeigen? Solche Erwachsenenfilme über amerikanischen Wagemut könnten und sollten zurückgehalten werden, bis dieser Krieg zu Ende ist.

Der wichtigere Punkt von Shakhnazarov war, dass es ein Fehler von Russland gewesen sei, den kürzlichen Vorschlag von Elon Musk für die Beendigung des Krieges nicht aufgegriffen zu haben. Dies sei eine vergebene Public Relations Gelegenheit im Informationskrieg mit erheblichem möglichem Wert gewesen. Ja, Russland akzeptiert bestimmte Punkte in diesem Vorschlag nicht, insbesondere nicht hinsichtlich erneuter Referenden in den vier neu beigetretenen Provinzen. Aber es hätte Russland sehr genützt zu sagen: „Ja, der Plan ist prüfenswert, und wir sind bereit, `im Bemühen um Frieden diese zusätzliche Meile zu gehen`, als Zelensky den Musk-Plan unmissverständlich zurückgewiesen hatte. Shakhnazarov sagte, Musk hat über zehn Millionen Follower und sie hätten für Russlands Sache gewonnen werden können, wenn der Kreml ein bedingtes `ja` zu dem Plan gesagt hätte.

Zum Schluss mache ich noch auf die Bemerkungen eines Geheimdienstoffiziers im Ruhestand, Held der Russischen Föderation, aufmerksam, der höchst relevante Erklärungen dazu, dass die Russen bei ihren gestrigen Raketenangriffen auf Städte überall in der Ukraine als Vergeltung auf den Bombenanschlag auf die Krim-Brücke angeblich auch auf ausschließlich zivile Ziele wie Kinderspielplätze und Opernhäuser schießen. Wie er feststellte, haben die ukrainischen Behörden behauptet, dass die Russen an dem Tag 72 Raketen abgefeuert haben, von denen 42 angebliche von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen worden seien. Inzwischen haben die russischen Behörden nichts von irgendwelchen Verlusten an ihren Raketen gesagt, sondern nur mitgeteilt, dass alle Ziele auf ihrer Liste zerstört worden seien.

Nehmen wir einmal an, sagte dieser General, dass die ukrainischen Zahlen übertrieben waren und dass sie nicht 42, sondern nur 21 unserer Raketen abgeschossen haben. Das würde die Verlustrate in die übliche Quote solcher Verluste bringen, vorausgesetzt, die Ukraine verfügt noch über eine wirksame Raketenabwehr in Kiew und sonst wo, die in den vergangenen Wochen mit von NATO-Ländern gelieferten Systemen verbessert worden sind. „Abgeschossen“ ist ein irreführender Begriff: üblicherweise bedeutet dies nicht die völlige Zerstörung, sondern die Zerlegung der anfliegenden Raketen in Bruchstücke, die Sprengstoff enthalten und herunterfallen, wo immer die Schwerkraft sie hinfallen lässt. Entsprechend ist es selbstverständlich möglich, dass Bruchstücke solcher russischen Raketen tatsächlich in zivilen Wohngebieten landen mit entsprechenden Verlusten an Menschenleben. Obwohl der General das nicht erwähnt hat, exakt dieses selbe Scenario ereignete sich in Donetsk und in anderen Städten in den aufrührerischen Provinzen, als sie durch die ukrainischen Tochka-M Raketen in der ersten Zeit des Krieges unter Feuer gerieten. Die Raketen wurden von der russischen Raketenabwehr abgefangen, aber die Fragmente landeten in den Straßen der Städte und verursachten signifikante Verluste an Menschenleben und Schäden an der Infrastruktur.

Schließlich hatte dieser Militärgeheimdienstexperte noch einige interessante und möglicherweise wertvolle Worte zu sagen über den neu ernannten Befehlshaber der militärischen Operationen in der Ukraine, General Sergei Surovikin, den er mehrfach in der Vergangenheit getroffen hat und den er sehr respektiert. Surovikin hat diese Position erhalten, nachdem er zuvor Chef der Luftwaffe war, was an sich schon eine ungewöhnliche Karriere für einen Offizier, der seine grundlegende Ausbildung und seine Erfahrung als Kommandeur von Bodentruppen erhalten hat. Mit seiner Ernennung dürften wir eine bessere Koordination und Nutzung der beiden verschiedenen Zweigen des Militärs, die in westlichen Expertenkreisen wegen des Fehlens der Effektivität kritisiert wurden. Was das zeitliche Zusammentreffen dieser Ernennung und die gestrige Verschärfung der russischen Raketenangriffe auf ukrainische Städte angeht, hält der General fest, dass der neue Chef nicht von einem Tag auf den nächsten gleich alle Aspekte einer laufenden komplexen militärischen Operation meistern kann, sodass Surovikin nicht der Urheber dieser Raketenangriffe sein kann.

Aufgrund meiner Erfahrung als Historiker und Forscher in russischen Regierungsarchiven aus der Zarenzeit habe ich eine Lektion gelernt, die auch für heute gilt: in Regierungsämtern sitzen immer kompetente und hocherfahrene Beamte, die Gesetze oder Verordnungen entwerfen, die still in ihren Schreibtischen liegen, die dann aber innerhalb von Stunden zur Regierungspolitik werden können, wenn Kräfte außerhalb der Bürokratie eine Änderung erzwingen. Ich glaube, das ist genau das, was passiert ist im Hinblick auf die kürzlichen massiven Angriffe auf die Ukraine.

Damit lege ich meinen Schwerpunkt zu der vorstehenden Zusammenfassung der Solovyov-Show vom 10. Oktober 2022 dar: das russische Staatsfernsehen ist essentielles Quellenmaterial für jeden, der diesen Krieg verstehen will und sehen will, wohin er führen könnte.

Translation into German by Andreas Mylaeus

‘Partial mobilization’ and democracy

Has ‘partial mobilization’ breathed full-blooded democracy into Russia’s parliamentary government structure and broader society?

It is normal to think of wartime as a period of tightened censorship and imposition of ever greater controls on society at large.  Indeed, Western journalists have in the past half year focused attention on the closure of several notorious anti-Putin broadcasting companies and print media in Russia, including Rain (Dozhd’) and Novaya Gazeta. They have covered the flight of editors and staff abroad after they were labeled as ‘foreign agents’ and could expect invitations to appear before the courts.

However, in the days since the announcement by the Kremlin of ‘partial mobilization’ of the reserves, it is increasingly clear to any outside objective observer that a full blast of social activism is underway, and that the dikes of state controls on free speech are being swept away. A week ago, following reversals on the battlefield and loss of territory to the enemy that could not be ignored, members of the State Duma openly denounced the Ministry of Defense for dispensing ‘fairy tales’ about the progress of the campaign in Ukraine and demanded transparency in communications to the public. Speaker of the Duma Volodin, who is a leader of the ruling United Russia party, must have been in shock.

Meanwhile, we see on state television news reporting on the formation of private committees across the country to raise funds, procure goods and directly deliver to the new recruits clothing and other gear which the Army is not providing as it sends them off to the front. This is presented as representing a patriotic upsurge in Russian society, but on closer view it is a damning criticism of the incompetence of the powers-that-be for sending citizens off to war without the kit they need.

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In the United States, and to a lesser extent in Europe, the escalating confrontation between Russia and NATO in and over Ukraine is presented as a repetition of the actors and principles underlying the outbreak of World War II.  Putin is the modern day Hitler and Western leaders must defend democratic institutions against authoritarian regimes which commit aggression against neighbors.

In Russia, the escalating confrontation is seen in different terms, as a repetition of World War I, when the leaders of the Great Powers ‘sleep walked’ into the greatest tragedy for civilization of all time by failing to see the abyss before them. If the Kremlin is not careful, the likeness of today’s developments on the home front to the situation at the start – and more importantly, at the end – of WWI may yet be proven. That war did not end well for the tsarist regime and to a very considerable extent it was brought down precisely by patriotic society. 

Current Russian television footage of the send-off of the reservists in provincial cities, with busloads of recruits driving past cheering citizenry waving little flags and bouquets of flowers, bears an uncanny resemblance to vintage photos taken in Russia at the outset of The Great War. The patriotic organizations formed by local politicians to support the war effort in 1914 over time became hotbeds of open criticism of the army leadership and of the tsarist dynasty, leading to the February Revolution and forced abdication of Nicholas II. Kremlin elites have excellent memories and surely are concerned.

Why is there today such a public display of civic activism?  What has happened to the passive Russian public?  The one-word answer is mobilization.  As Sergey Mikheev, a panelist in last night’s Vladimir Solovyov talk show explained, the mobilization has turned what was a technical operation manned by professional soldiers into a ‘people’s war’ and the people now want a say in how it is conducted.

That is a sea change in Russian domestic politics. But it was to be expected, and its emergence so quickly is precisely why the Kremlin postponed mobilization as long as it could.

A little less than a year ago, I published an essay about the passivity of the Russian citizen-taxpayer under the piquant heading “no representation without taxation,” standing on its head the call to arms that once motivated American Revolutionaries against their colonial masters in England – https://gilbertdoctorow.com/2021/11/03/no-representation-without-taxation/

For a number of reasons, the lion’s share of the Russian state budget comes from export taxes on gas and oil, with a relatively low share coming from taxes on the average Russian citizen:  income tax is set at a flat rate of 15% and property taxes on houses and apartments are close to nil, while the government assures welfare state benefits of free medical care and education to the broad population. But when the Russian citizen has a direct interest in the game, as is now the case with the mobilization of husbands and fathers, that passive citizenry can become very emotional, involved and vocal.

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Last night’s political talk show hosted by Vladimir Solovyov was outstanding for giving voice to precisely the thoughts you otherwise hear in people’s home as they talk in their kitchens with relatives and close friends. There were several noteworthy contributors to the discussion, but the most comprehensive contribution was made by Sergey Mikheev, whom I briefly cited above. He was given the microphone for ten minutes or more, was not interrupted by the host or fellow panelists, which is common practice on these talk shows, and he delivered a stirring programmatic speech which, if you take it apart, was severely critical not of the generals for unprofessional management of field operations but of the country’s political leadership, going straight back to Vladimir Putin, for deeply flawed concepts on how the war should be prosecuted.

The mobilization, per Mikheev, is merely an extension or escalation of the failed policies to date, namely the attempt to conduct an artillery and infantry war with successes measured in destruction of Ukrainian military assets, instead of conducting total war, with the emphasis placed on destruction of the entire Ukrainian power generation, logistics and other infrastructure so as to demoralize the Ukrainian population and deprive its army of the wherewithal to continue fighting.

Mikheev attributed to his opponents in the Kremlin the argument that what they are doing is more humane, that Russia has no intention of leaving the broad Ukrainian public without heat or electricity in winter, or of causing unnecessary civilian deaths in its missile strikes. He insisted that the more humane way would have been to inflict massive pain on Ukraine back in March and April, so as to bring the conflict to an early conclusion. Escalation by baby steps is only prolonging the war and raising the risk of nuclear Armageddon.

Mikheev said that the loss of territory during the recent Ukrainian counteroffensives has many citizens scratching their heads. Why is Russia not using the technological superiority of its weaponry to greatest advantage? Why is it instead only increasing the numbers of its front line fighters as if this were a 20th century rather than a 21st century war?

Doubts about how the war is being conducted are causing ordinary Russians to lose confidence in their leadership and to look for hidden traitors. People are asking whether the oligarchs are influencing how the war is being fought so as to protect their interests. There is no room for private interests in what has been described as an existential conflict, says Mikheev.  How is it that the truck loaded with explosives was allowed onto the bridge despite what had been described as tightest security?  People are thinking that someone was paid off to let this vehicle through without inspection.  Such corrosive doubts can be cut short only by a change in the way the war in being conducted.

It is hard to imagine a more damning statement than what Sergey Mikheev was allowed to present live on air on the Solovyov show.  All reports about secret messages of criticism to Putin from within the Kremlin ranks that our newspapers feature pale in significance by comparison.

Another noteworthy panelist in last night’s show was the general director of Mosfilm, Karen Shakhnazarov, who, like Mikheev, is a regular visitor to the program. Shakhnazarov had two points to convey, one minor, and strictly professional from his domain, the world of entertainment, and the other major, and likely more broadly representative of thinking among Russia’s ‘creative classes.’ The minor point was to call out the absence today of a comprehensive patriotic management of the war effort. With all due respect to the mastery of foreign film directors and production companies, how can it be, he asked, that our television stations, including the private station NTV, are showing Rambo films these days? Such adulatory films of American daring-do could and should be put on hold till after this war is over.

Shakhnazarov’s major point was that Russia erred in not taking up Elon Musk’s latest proposal for ending the war. This was a missed Public Relations opportunity of great potential value in the Information War.  Yes, Russia does not accept certain points in the plan, in particular, regarding holding new referendums in the four newly annexed territories.  But it would have served Russia very well to say ‘yes, the plan is worth considering, and we are ready to go the extra mile in pursuit of peace’ when Zelensky unreservedly rejected the Musk plan.  Said Shakhnazarov, Musk has tens of millions of followers and they could have been won over to Russia’s cause had the Kremlin given a qualified yes to the plan.

Finally, I call attention to the remarks made by a retired military intelligence officer, hero of the Russian Federation, who gave highly relevant explanations to the alleged Russian targeting of purely civilian targets like children’s playgrounds and opera houses in its missile strikes on cities across Ukraine a day ago in revenge for the bombing of the Crimea bridge.  As he noted, Ukrainian authorities have claimed that the Russians fired 72 missiles that day, of which 42 were supposedly knocked out by the Ukrainian air defenses.  Meanwhile the Russian authorities have said nothing about possible losses of their missiles to Ukrainian defenses and only said that all of the targets on their list were destroyed.

Let us say, this general argued, that the Ukrainian figures were inflated and that they shot down not 42 but 21 of our missiles. That would take the loss rate into typical range given that Ukraine still has a powerful anti missile defense in Kiev and elsewhere, which has been strengthened in recent weeks by more advanced systems sent in from NATO countries.  “Shot down” is a deceptive term:  usually this means not total destruction but the break-up of the incoming missile into fragments which contain explosives and land wherever gravity brings them down.  Accordingly it is entirely possible that fragments of such Russian missiles indeed landed in civilian, residential neighborhoods with associated loss of life.  Though the general did not mention it, exactly the same scenario occurred in Donetsk and other cities in the rebel provinces when they came under attack from Ukrainian Tochka-M rockets early in this war. The rockets were intercepted by Russian air defenses, but the fragments landed in city streets and caused significant loss of life as well as damage to infrastructure.

Finally, this military intelligence expert had some interesting and possibly valuable words to say about the newly appointed head of military operations in Ukraine, General Sergei Surovikin, whom he met several times in the past and for whom he has great respect.  Surovikin has been given this assignment after serving as chief of the Aerospace Forces, which was in itself an unusual career move for an officer whose basic education and experience was in charge of ground forces.  In this appointment, we may well see better coordination and use of the two different branches of the military, which have been criticized in Western expert circles for precisely a lack of effectiveness.  As regards the coincidence between the new assignment and the dramatic ratcheting up of Russian missile strikes on Ukrainian cities a day ago, the general insisted that from one day to the next a new appointee cannot master all aspects of the ongoing complex military operations, so that Surovikin cannot be the author of these strikes. 

Having some experience as an historical researcher in Russian government archives from the tsarist period, I learned one lesson that bears on today:  in government offices there are always competent and highly experienced officials who draft legislation or orders that sit idly in their desk drawers but which can become government policy in a matter of hours if events outside the bureaucracy force a change.  I believe that is precisely what happened with respect to Russia’s massive attack on Ukraine of late.

With this, I rest my overriding point from the foregoing summary of the 10 October Solovyov show:  Russian state television is essential reference material to anyone seeking to make sense of this war and to see where it may lead.

©Gilbert Doctorow, 2022

Zelensky’s wildly irresponsible call for a ‘preventive nuclear strike’

Zelensky’s wildly irresponsible call for a ‘preventive nuclear strike against Russia”: analysis on Iran’s Press TV

Once again I have the pleasure of recommending to my readership a live interview on Iran’s Press TV earlier today. Once again, I find their news presenter very well briefed on the subject at hand. Once again I find their political positioning remarkably friendly to the Russian side in the conflict with the West over Ukraine.

One might draw conclusions about a shift in Iranian state politics away from ‘kiss and make up’ with the United States and towards alignment with its regional neighbors and with the great powers Russia and China. It is these last two which are raising Iran’s image of stable and constructive contributor to the world order in forums such as the Shanghai Cooperation Organization and the Caspian Economic Forum, presently being held in Moscow.

A discussion with Fred Weir on Iran’s Press TV: latest Russian developments

As I have observed based on my participation in live broadcasts dealing with current Russia-related events on Iran’s Press TV, the productions are good professional journalism and the guests are notable.  A couple of days ago this impression was further substantiated when I joined the Christian Science Monitor’s man in Moscow, Fred Weir, in analysis of the accession of the Donetsk People’s Republic, the Lugansk People’s Republic and the Kherson and Zaporozhie oblasts to the Russian Federation.

http://www.urmedium.com/c/presstv/118340

Has Vladimir Putin put the fear of God into the Satanic West?

Three years ago, I published an essay under a ‘fake news’ heading urging Vladimir Putin to put aside ‘Mr. Nice Guy’ behavior and rhetoric with respect to Russia’s supposed ‘partners’ in the West and to slam his shoe on the table in the crude manner of Soviet ruler Nikita Khrushchev at the United Nations in 1956.

https://original.antiwar.com/gilbert_doctorow/2019/02/01/vladimir-putin-to-the-west-we-will-bury-you/  

I very much regretted that Putin repeatedly turned the other cheek when his country was treated unceremoniously or when he was personally insulted by hack politicians in the United States including Joe Biden. Nikita Khrushchev was never called a ‘thug’ or a war criminal; Putin has been so described in mainstream media. I insisted that it was much better for nations and statesmen to be feared than to be liked. Indeed, the future of the world depends on mutual respect born of fear, not brotherly love, as 70 years of Mutually Assured Destruction demonstrated.

Mr. Putin’s devastating critique of the U.S.-led Collective West yesterday in his speech to Russia’s bicameral legislature, regional governors and other high officials just prior to the signing of papers leading to the accession of the Donetsk People’s Republic, the Lugansk People’s Republic and the Kherson and Zaporozhie oblasts to the Russian Federation, indicates clearly that he has thrown in his personal fate and the nation’s fate to the policies of Kremlin hard-line patriots. He has parted company with the still substantial faction of pro-Western Liberals populating the decision-making instances in the Russian capital and in gubernatorial offices.

Until now, Putin played a careful balancing act between domestic liberals and conservatives in a manner similar to what Mikhail Gorbachev did with his Central Committee colleagues of the CPSU. Gorbachev finally lost his balance, was briefly overthrown by the weak and unpopular conservatives, then was reinstated by the liberals only be turned out onto the street months later.  In the case of Vladimir Putin, the conservatives with whom he is now aligned are the key to his own 72% approval rating, even today following implementation of the ‘partial mobilization,’ while the leadership of the liberals, beginning with the ‘red forelock’ (рыжий чуб) Anatoly Chubais, have fled the country in large numbers and pose no threat to the President.

Putin’s recognition of the new ‘subjects of the Russian Federation’ as near and dear to the whole country and as irrevocably integrated into the Motherland, has been correctly identified by Western observers as doubling down on the core ideas of his ‘special military operation’ or, put in other words, as a serious escalation in the proxy war with NATO. Everyone now understands perfectly that Russia will defend its new borders with all its considerable military and other resources.

 Russia’s showing its claws has changed the game. Within hours, Ukrainian President Zelensky formally asked NATO for expedited approval of its membership application, by which we may assume he meant immediate admission. In a press conference later in the day, NATO General Secretary Jens Stoltenberg effectively rejected this request, noting that the Alliance has its procedures and admittance of any new member takes time. There can be little doubt that this answer was given to him by Washington. Of course, the days of the Kiev regime are numbered as Russia steps up its war effort. Zelensky & Co. will not survive in power long enough to pursue their NATO application.

Meanwhile the dummy in charge of the U.S. State Department, Antony Blinken, told reporters yesterday that in fact the United States has no indications Russia intends to use nuclear arms in Ukraine. This reversal of his remarks of the past few weeks is no minor point; it means that U.S. flirtation with staging yet another anti-Russian false flag operation, this time by detonating a nuclear device somewhere in Ukraine that might be blamed on the Kremlin, has, thankfully, been abandoned. The world is much safer for all that.

Today’s Financial Times continues its snarling denunciations of the Russian leader and his ‘annexation’ of the four former Ukrainian oblasts. However, in The New York Times I see a sign that even our media can comprehend that the game is up, with or without successes of the Ukrainian counter offensive. I point to today’s opinion essay on the paper’s front page by columnist and three time winner of the Pulitzer Prize Thomas Friedman entitled “Putin is Trying to Outcrazy the West.” 

Friedman is the Liberals’ Liberal, much beloved by many of my former classmates at Harvard. He is now saying that maybe the United States should swerve to avoid being hit by the vehicle driven by madman Putin.  Yes, according to Friedman, Russia is losing the war in Ukraine. Yes, Russia is ruled by an autocrat, whose political views are anathema to freedom loving America. Yes, he is isolating Russia globally and turning it into a kind of North Korea. But for our and the world’s safety, we should let him pass and not go head-to-head with Russia.  This is precisely what I expected in my mention a couple of days ago that Putin would do well to take a page of Richard Nixon’s strategy of assuming the guise of a madman in 1972 to bring the North Vietnamese to the negotiating table.

 The notion that there will be some ‘kiss and make up’ between Russia and the Collective West is now fully discredited. An enemy is an enemy. A clash of civilizations is a clash of civilizations. The most to hope for in the foreseeable is a truce, an end to military hostilities. For this to be achieved, Mr. Putin has to match his tough words with tough deeds and, as I have suggested, swiftly decapitate the civilian and military leadership in Kiev. The leadership of the Collective West will do nothing about it other than bark, while the rest of us will be able to sleep calmly after months of anxiety.

©Gilbert Doctorow, 2022