Psst! Pass the word along in Algeria…and in French

In the past week, I received a couple of emails from regular visitors to my website asking why some of my articles are now being posted in German as well as in the English original texts.  Allow me to explain what my daily read-out of visitor statistics tells me:  whatever one may say about bilingualism or the linguistic talents of well educated folks, nonetheless people are most drawn to literature in their native language and tend to ignore everything else.

With few exceptions, each day the top ranking countries in terms of views of my posts are all English-speaking countries. All the other countries weigh in with less than a tenth of the numbers of the five or six at the top. That is why on any given day a tiny country like New Zealand may have more readers of my texts than Germany or France.  The exceptional cases of a country like Germany or Italy or Japan moving to the top of the list come when one portal or another from these countries has re-posted my article in their own language.

For these reasons, when a reader in Germany came forward and volunteered to translate my articles into German as his personal contribution to countering the self-censorship and absolute conformism of German media, I was quick to accept his kind offer. The results are as one might expect: my German readership is growing multifold. My German texts are now picked up by major German news digest portals including Nachdenkseiten and Net News Express, which themselves have subscriber rolls of 200,000 or more.  Given the weight of Germany in European politics, disseminating news that runs counter to the propagandistic mainstream is potentially important.

For all these same reasons, when the Algerian journalist Mohsen Abdelmoumen approached me three days ago to do an interview with him about the war in Ukraine and present-day European politics which would be published in French as well as in English I was quick to agree.  The results are as follows:

http://mohsenabdelmoumen.over-blog.com/2022/10/gilbert-doctorow-the-west-is-run-by-corrupt-cowards.html

The title Abdelmoumen has given to our interview aims to catch attention, which is all to the good. The contents are more nuanced and reflective.  I hasten to add that Mr. Abdelmounen did not change a word of my responses even when I challenged the assumptions of several of his questions. Now that is a level of professionalism you will not often find in mainstream, which is run by the rule “all the news that fits” their editorial policy lines.

Following on publication of the interview, I was yesterday invited to participate in the “Crisis” news analysis program of the El Hayat TV in Algeria which was broadcast in the early evening prime time.

Hopefully both the print and televised interviews will also be picked up in continental France as well as in Algeria.  But the broader point is that news about the Ukraine war from the ‘alternative newsmakers,’ myself included, must be spread around the world in as many languages as possible by local portals and broadcasters.  As I have written, the ongoing escalation in this war is headed to a nuclear Armageddon in which not only Russia and the United States will be burned to ashes, but most of humanity will be taken along for the brief ride to extinction.  It is high time for large, populous countries like Algeria, Iran, China and India to weigh in and tell both sides that the Russia-NATO war is the business of the whole world and that the sides must be brought to a negotiating table so that a modus vivendi can be established, preferably along the lines suggested by Russia back in December 2021, namely creation of a new international security architecture that is all inclusive.

©Gilbert Doctorow, 2022

Der Jüngste Tag naht schnell heran

Liebe Leser, leider bin ich zu meinem größten Bedauern wieder einmal gezwungen, mit einem Schild mit der Aufschrift „Das Ende der Welt ist nahe“ durch die Straßen zu laufen.

Gestern habe ich die Nachrichtenzusammenfassung des Programms „Sechzig Minuten“ des russischen Staatsfernsehens auf der Plattform smotrim.ru gesehen. Bevor das Mikrophon an die Diskussionsteilnehmern übergeben wurde, lief 30 Minuten lang eine haarsträubende Videomontage von Auszügen aus amerikanischen, deutschen, europäischen und britischen Nachrichten über die Anschuldigungen wegen einer schmutzigen Bombe, über die derzeitigen Manöver des Flugzeugträgers George Bush Sr. im östlichen Mittelmeer und dessen lautstarke Botschaft an Herrn Putin über ihre Fähigkeit, nukleare Angriffe zu lancieren, über die gerade nach Rumänien verlegten und an der Grenze zu Moldawien stationierten 2.400 Mann starken amerikanischen Angriffs-Bodentruppen, die bereit sind, nach Moldawien einzumarschieren, und man darf mit Sicherheit annehmen, dass sie sich weiter in die Ukraine bewegen werden, um sich dort jederzeit um Odessa – Nikolaev den Russen entgegenzustellen. Nun, der Eindruck über diese laufende Eskalation war überwiegend, dass wir am Wendepunkt zum Krieg zur Beendigung aller Kriege angekommen sind. Die USA sind bereit dazu, was immer auch Biden Abweichendes von seinem Teleprompter herab brummelt. Die Russen sind bereit dazu. Also, jetzt geht es los!

In einer weniger dramatischen Note aus demselben Musikstück habe ich mich gerade verpflichtet gefühlt, meinem letzten Essay über Rushi Sunak ein Postscript hinzuzufügen, wonach ich mich hinsichtlich seines Marschbefehls von der Londoner City geirrt habe: während er die meisten Minister aus dem Truss-Kabinett ersetzt hat, hat er Ben Wallace als Verteidigungsminister behalten. Bemerkenswert ist, dass Wallace große Steigerungen bei Rüstungsausgaben für den britischen Beitrag für die ukrainischen Streitkräfte verlangt, während Sunak gleichzeitig die Ausgaben für die Sozialfürsorge beschneidet, um das Haushaltsdefizit zu verringern, einen Sparkurs durchzusetzen und die Inflation zu bekämpfen. Sunak wird nicht einmal ein Jahr Premierminister sein, wenn wir annehmen, dass es ein Jahr dauert, bis die Hölle losbricht. Er hat einen ähnlichen Hintergrund wie Macron, der auch für amerikanische internationale Banker gearbeitet hat und der jüngste Regierungschef seines Landes ist. Auch er ist offensichtlich ein politisches Leichtgewicht, aber anders als bei Macron ist seine Position aufgrund der britischen verfassungsrechtlichen Situation sehr fragil. Ich sage, dass diese Entwicklungen der Melodie des generellen Musikstücks entsprechen, weil sie zeigen, dass die Marschbefehle, die er von denen, die ihn eingesetzt haben, erhalten hat, der Londoner City, genauso ideologisch beeinflusst sind wie die Zeitung, die sie alle täglich lesen, die bösartig Russland-feindliche Financial Times. Und so komme ich zu dem Schluss, dass sich auch im Vereinigten Königreich das Kapital von der realen Welt entfernt hat, genauso, wie uns auf dem Kontinent leichtgewichtige und inkompetente Politiker regieren.

Was ich nicht verstehe ist, warum Indien, China und andere große und ernsthafte Player auf der Weltbühne die zunehmende Eskalation in der Konfrontation zwischen Russland und der NATO und das Torkeln hinein in einen Atomkrieg nicht zur Kenntnis nehmen, der das Ende des Lebens auf dem Planeten, ihr eigenes Leben ebenso wie das unseres, bedeutet. Warum schweigen sie alle? Und wo sind die Vereinten Nationen angesichts des drohenden Armageddon? Wenn die Stimmen in der Generalversammlung von einem globalen Hegemon und seinen Lakaien diktiert werden, ist die Bedeutung der U.N. für die Friedenssicherung zunichte gemacht.

Die vermeidbare Tragödie des Ersten Weltkrieges habe ich immer zuvorderst im Kopf, wenn ich in meinem Pushkin Apartment außerhalb von Petersburg bin. Wir leben 200 Meter entfernt vom Eingang des Katharinenparks und weniger als einen Kilometer von dem separaten Palast, den Nikolaus II als Wohnung für seine Familie genutzt hat. Jedes Mal frage ich mich, wie sie so dumm sein konnten, die europäische Zivilisation in den Wind schlagen konnten und im Hinblick auf die Zarenfamilie, wie sie ihr eigenes Leben wegwerfen konnten. Heute sehe ich jeden Tag eine ähnliche Dummheit, wenn ich mir die Nachrichten ansehe, gleich, ob es russische Nachrichten oder westliche Mainstream-Sender sind. Ich sehe die zunehmende Wahrscheinlichkeit unseres kollektiven Selbstmords in den nächsten Wochen oder Monaten kommen.

                                                                                                                                                             *****

Von Seiten patriotischer Russen kam seit längerem eine Menge Kritik über die Art, wie die „Spezialoperation“ in der Ukraine geführt wurde. Die Leute sagen, dass Putin zu weich mit den Ukrainern umgegangen ist, dass er die Energie-Infrastruktur in den ersten Märztagen hätte zerstören sollen und nicht sieben Monate warten sollen, in denen die Eskalation ihren gegenwärtigen kritischen Punkt erreicht hat. Aber das übersieht die politische Dimension der Kriegsführung. Und es übersieht die Realität, dass die öffentliche Meinung eine wesentliche Einschränkung hinsichtlich dessen ist, was ein Präsident tun kann oder nicht tun kann, unabhängig von verfassungsrechtlichen Vorschriften oder angeblichem Autoritarismus an der Spitze.

Die russische Öffentlichkeit war im Februar nicht bereit, einen umfassenden Krieg gegen die Ukraine zu akzeptieren. Die jeweiligen persönlichen, familiären und historischen Bindungen der russischen und der ukrainischen Bevölkerungen waren einfach zu stark. Russen, einschließlich derjenigen an der Macht, konnten die Hoffnung hegen, dass sich beide Seiten nach dem Ende des Feldzuges küssen und Frieden schließen würden. Es hat so lange gedauert und es brauchte das Überschreiten aller russischen roten Linien im Sinne der Artillerie- und Raketenangriffe auf das russische Stammland über die ukrainische Grenze hinaus, es brauchte die Zerstörung der Nord Stream Pipelines und den terroristischen Angriff auf die Kerch-Brücke, damit die Russen psychologisch bereit waren, Ukrainer zu Zehntausenden als Soldaten auf dem Schlachtfeld zu ermorden, wie man das in einem normalen Krieg macht und der Zivilbevölkerung große Härten zuzufügen.

Trotzdem kann man den Kreml nicht so einfach von seinem Anteil der Schuld entlasten, den er daran trägt, dass die Welt jetzt in Richtung eines Atomkriegs taumelt. Ich finde es unglaublich, dass der professionelle Geheimdienstanalytiker Vladimir Putin, den alle seine Biographen nur im Hinblick auf seine KGB-Karriere darstellen, es sich erlaubt hat, sich derart von seinen eigenen Geheimdienstberatern im Hinblick auf die ukrainischen Fähigkeiten und Intentionen täuschen zu lassen, bevor er am 24. Februar einmarschiert ist um die Ukraine zu entnazifizieren und zu demilitarisieren. Das war eine Fehlkalkulation von kolossalen Dimensionen, die zu ernsthaften militärischen Fehlschlägen in den ersten Wochen des Krieges geführt hat, die im Gegenzug die Entscheidungsträger der Vereinigten Staaten und der NATO dazu verleitet hat, zu versuchen, Russland zu erdrosseln und schließlich „aus dem Spiel zu nehmen“. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

Der Jüngste Tag naht schnell heran

Liebe Leser, leider bin ich zu meinem größten Bedauern wieder einmal gezwungen, mit einem Schild mit der Aufschrift „Das Ende der Welt ist nahe“ durch die Straßen zu laufen.

Gestern habe ich die Nachrichtenzusammenfassung des Programms „Sechzig Minuten“ des russischen Staatsfernsehens auf der Plattform smotrim.ru gesehen. Bevor das Mikrophon an die Diskussionsteilnehmern übergeben wurde, lief 30 Minuten lang eine haarsträubende Videomontage von Auszügen aus amerikanischen, deutschen, europäischen und britischen Nachrichten über die Anschuldigungen wegen einer schmutzigen Bombe, über die derzeitigen Manöver des Flugzeugträgers George Bush Sr. im östlichen Mittelmeer und dessen lautstarke Botschaft an Herrn Putin über ihre Fähigkeit, nukleare Angriffe zu lancieren, über die gerade nach Rumänien verlegten und an der Grenze zu Moldawien stationierten 2.400 Mann starken amerikanischen Angriffs-Bodentruppen, die bereit sind, nach Moldawien einzumarschieren, und man darf mit Sicherheit annehmen, dass sie sich weiter in die Ukraine bewegen werden, um sich dort jederzeit um Odessa – Nikolaev den Russen entgegenzustellen. Nun, der Eindruck über diese laufende Eskalation war überwiegend, dass wir am Wendepunkt zum Krieg zur Beendigung aller Kriege angekommen sind. Die USA sind bereit dazu, was immer auch Biden Abweichendes von seinem Teleprompter herab brummelt. Die Russen sind bereit dazu. Also, jetzt geht es los!

In einer weniger dramatischen Note aus demselben Musikstück habe ich mich gerade verpflichtet gefühlt, meinem letzten Essay über Rushi Sunak ein Postscript hinzuzufügen, wonach ich mich hinsichtlich seines Marschbefehls von der Londoner City geirrt habe: während er die meisten Minister aus dem Truss-Kabinett ersetzt hat, hat er Ben Wallace als Verteidigungsminister behalten. Bemerkenswert ist, dass Wallace große Steigerungen bei Rüstungsausgaben für den britischen Beitrag für die ukrainischen Streitkräfte verlangt, während Sunak gleichzeitig die Ausgaben für die Sozialfürsorge beschneidet, um das Haushaltsdefizit zu verringern, einen Sparkurs durchzusetzen und die Inflation zu bekämpfen. Sunak wird nicht einmal ein Jahr Premierminister sein, wenn wir annehmen, dass es ein Jahr dauert, bis die Hölle losbricht. Er hat einen ähnlichen Hintergrund wie Macron, der auch für amerikanische internationale Banker gearbeitet hat und der jüngste Regierungschef seines Landes ist. Auch er ist offensichtlich ein politisches Leichtgewicht, aber anders als bei Macron ist seine Position aufgrund der britischen verfassungsrechtlichen Situation sehr fragil. Ich sage, dass diese Entwicklungen der Melodie des generellen Musikstücks entsprechen, weil sie zeigen, dass die Marschbefehle, die er von denen, die ihn eingesetzt haben, erhalten hat, der Londoner City, genauso ideologisch beeinflusst sind wie die Zeitung, die sie alle täglich lesen, die bösartig Russland-feindliche Financial Times. Und so komme ich zu dem Schluss, dass sich auch im Vereinigten Königreich das Kapital von der realen Welt entfernt hat, genauso, wie uns auf dem Kontinent leichtgewichtige und inkompetente Politiker regieren.

Was ich nicht verstehe ist, warum Indien, China und andere große und ernsthafte Player auf der Weltbühne die zunehmende Eskalation in der Konfrontation zwischen Russland und der NATO und das Torkeln hinein in einen Atomkrieg nicht zur Kenntnis nehmen, der das Ende des Lebens auf dem Planeten, ihr eigenes Leben ebenso wie das unseres, bedeutet. Warum schweigen sie alle? Und wo sind die Vereinten Nationen angesichts des drohenden Armageddon? Wenn die Stimmen in der Generalversammlung von einem globalen Hegemon und seinen Lakaien diktiert werden, ist die Bedeutung der U.N. für die Friedenssicherung zunichte gemacht.

Die vermeidbare Tragödie des Ersten Weltkrieges habe ich immer zuvorderst im Kopf, wenn ich in meinem Pushkin Apartment außerhalb von Petersburg bin. Wir leben 200 Meter entfernt vom Eingang des Katharinenparks und weniger als einen Kilometer von dem separaten Palast, den Nikolaus II als Wohnung für seine Familie genutzt hat. Jedes Mal frage ich mich, wie sie so dumm sein konnten, die europäische Zivilisation in den Wind schlagen konnten und im Hinblick auf die Zarenfamilie, wie sie ihr eigenes Leben wegwerfen konnten. Heute sehe ich jeden Tag eine ähnliche Dummheit, wenn ich mir die Nachrichten ansehe, gleich, ob es russische Nachrichten oder westliche Mainstream-Sender sind. Ich sehe die zunehmende Wahrscheinlichkeit unseres kollektiven Selbstmords in den nächsten Wochen oder Monaten kommen.

                                                                                                                                                             *****

Von Seiten patriotischer Russen kam seit längerem eine Menge Kritik über die Art, wie die „Spezialoperation“ in der Ukraine geführt wurde. Die Leute sagen, dass Putin zu weich mit den Ukrainern umgegangen ist, dass er die Energie-Infrastruktur in den ersten Märztagen hätte zerstören sollen und nicht sieben Monate warten sollen, in denen die Eskalation ihren gegenwärtigen kritischen Punkt erreicht hat. Aber das übersieht die politische Dimension der Kriegsführung. Und es übersieht die Realität, dass die öffentliche Meinung eine wesentliche Einschränkung hinsichtlich dessen ist, was ein Präsident tun kann oder nicht tun kann, unabhängig von verfassungsrechtlichen Vorschriften oder angeblichem Autoritarismus an der Spitze.

Die russische Öffentlichkeit war im Februar nicht bereit, einen umfassenden Krieg gegen die Ukraine zu akzeptieren. Die jeweiligen persönlichen, familiären und historischen Bindungen der russischen und der ukrainischen Bevölkerungen waren einfach zu stark. Russen, einschließlich derjenigen an der Macht, konnten die Hoffnung hegen, dass sich beide Seiten nach dem Ende des Feldzuges küssen und Frieden schließen würden. Es hat so lange gedauert und es brauchte das Überschreiten aller russischen roten Linien im Sinne der Artillerie- und Raketenangriffe auf das russische Stammland über die ukrainische Grenze hinaus, es brauchte die Zerstörung der Nord Stream Pipelines und den terroristischen Angriff auf die Kerch-Brücke, damit die Russen psychologisch bereit waren, Ukrainer zu Zehntausenden als Soldaten auf dem Schlachtfeld zu ermorden, wie man das in einem normalen Krieg macht und der Zivilbevölkerung große Härten zuzufügen.

Trotzdem kann man den Kreml nicht so einfach von seinem Anteil der Schuld entlasten, den er daran trägt, dass die Welt jetzt in Richtung eines Atomkriegs taumelt. Ich finde es unglaublich, dass der professionelle Geheimdienstanalytiker Vladimir Putin, den alle seine Biographen nur im Hinblick auf seine KGB-Karriere darstellen, es sich erlaubt hat, sich derart von seinen eigenen Geheimdienstberatern im Hinblick auf die ukrainischen Fähigkeiten und Intentionen täuschen zu lassen, bevor er am 24. Februar einmarschiert ist um die Ukraine zu entnazifizieren und zu demilitarisieren. Das war eine Fehlkalkulation von kolossalen Dimensionen, die zu ernsthaften militärischen Fehlschlägen in den ersten Wochen des Krieges geführt hat, die im Gegenzug die Entscheidungsträger der Vereinigten Staaten und der NATO dazu verleitet hat, zu versuchen, Russland zu erdrosseln und schließlich „aus dem Spiel zu nehmen“. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

Translation into German by Andreas Mylaeus

Judgment Day is fast approaching

Dear readers, to my great regret, I am once again duty bound to walk the streets bearing the sign ‘The End of the World is Nigh’.

I watched the news digest program Sixty Minutes yesterday on Russian state television’s smotrim.ru platform. Before turning the microphone over to the panelists in talk show format, the first 30 minutes of the show presented a hair-raising video montage of excerpts from US, German, European, British news  reporting about dirty bomb accusations, about the current exercises of the aircraft carrier George Bush Sr. in the Eastern Med and its loud message to Mr Putin about nuclear attack capabilities, about the 2400 American ground assault troops just delivered to Romania and placed at the border with Moldova, ready to move in there and, one may safely assume, to continue up into Ukraine to face off with Russians around Odessa – Nikolaev at a moment’s notice.    Well, the impression of this pending escalation was overwhelmingly that we are on the cusp of the war to end all wars.  The US is game for it, whatever Biden mutters to the contrary reading from his teleprompter. The Russians are game for it.  And so here we go!

On a less dramatic note but one from the same musical composition, I have just felt obliged to add a Postscript to my last essay on Rushi Sunak, noting that I was wrong about the kind of marching orders he has from the City of London:  while he replaced most of the Truss cabinet ministers, he has retained Ben Wallace at Defense. Note that  Wallace is calling for large increases in defense spending to support Britain’s contribution to the Ukrainian armed forces at the same time that Sunak is about to wield the knife on social services in the name of a balanced budget and austerity in times of inflation. The Sunak premiership will not last a year, assuming we have a year ahead of us before all hell breaks loose.  He shares with Macron a background in working for US international bankers and the fact of being the youngest head of government in his respective country in two centuries.  He also apparently shares the status of political lightweight, but unlike Macron, his position is very fragile because of British constitutional practices. I say that these developments fall in line with the general musical composition, because they show that the marching orders he had received from those who installed him in power, the City of London, are as ideologically driven as the newspaper they all read daily, the viciously anti-Russian Financial Times. And so I conclude that in the U.K., too, Capital is as removed from the real world as the lightweight and incompetent politicians who rule over us on the Continent.

What I cannot understand is how India, China and other big, serious players on the world stage do not take note that the rising escalation in the Russia-NATO confrontation and the lurch towards nuclear exchange will mean the end of life on the planet, their lives as well as ours.  Why are they all silent?  And where is the United Nations before the looming Armageddon? When General Assembly votes are dictated by one global hegemon and its lackeys, the U.N.’s relevance to keeping the peace is vitiated.

The avoidable tragedy of WWI is something that is foremost in my thoughts every time I stay in my Pushkin apartment outside Petersburg.  We live 200 meters away from an entrance to the Catherine Palace park and less than a kilometer from the separate palace which Nicholas II used as a family home. Each time there I wonder to myself  how they could have been so foolish as to throw European civilization to the winds, and, as regards the tsarist family, to throw away their own lives.    Now I see similar foolishness daily watching the news, whether it is Russian news or Western mainstream broadcasters. I see the growing likelihood of our collective suicide in the weeks if not months before us.

                                                                                                                                                             *****

Among patriotic Russians, there has long been a lot of criticism about the way the ‘special military operation’ in Ukraine has been waged. People say that Putin has been too soft on the Ukrainians, that he should have destroyed the energy infrastructure in the first days of March, without waiting seven months and allowing the escalation to reach its present critical point.  However, that is to ignore the political dimension of war making. And it is to ignore the reality that public opinion is a major restraint on what its President can or cannot do, irrespective of constitutional provisions and supposed authoritarianism at the top.

The Russian public was not ready to accept an all-out war on Ukraine in February. The personal, familial and historic ties binding the Russian and Ukrainian peoples together were simply too strong. Russians, including those in power, could hold out the hope that once the campaign ended, the sides would kiss and make up.  It took all this time, it took the crossing of all Russian red lines in terms of attacks on the Russian homeland by artillery and rockets from across the border with Ukraine, it took the destruction of the Nord Stream pipelines and the terrorist attack on the Kerch bridge for the Russian people to be psychologically prepared to murder Ukrainians by the tens of thousands of soldiers on the battlefield as you do in any normal war and to inflict great hardships on the civilian population.

However, the Kremlin cannot be let off so easily for its share of the blame as the world teeters towards nuclear war.  I find it incredible that the professional intelligence analyst Vladimir Putin, whom all of our biographers describe only in relation to his KGB career, could have allowed himself to be so misled by his own intelligence advisers about Ukrainian capabilities and intentions before he decided to go in and denazify, demilitarize Ukraine on 24 February. That was a miscalculation of colossal proportions that resulted in serious military setbacks in the opening weeks of the war, which in turn emboldened United States and NATO decision-makers to go for the jugular and finally ‘take out’ Russia. I will say no more.

©Gilbert Doctorow, 2022

Die Londoner City wählt Sunak als nächsten britischen Ministerpräsidenten!

Außerhalb des Vereinigten Königreichs nimmt wahrscheinlich kein anderes Land als Indien größeren Anteil an dem laufenden Wettstreit, wer Liz Truss als britische Ministerpräsidentin ersetzt. Immerhin ist der führende Bewerber für den Posten, Rishi Sunak, indischer Herkunft und er ist mit der Tochter eines der reichsten Männer Indiens verheiratet.

Vor diesem Hintergrund war ich erfreut, vor einigen Stunden neben einem halben Dutzend anderer Teilnehmer in einer hervorragenden live Sendung des Republic TV of India teilnehmen zu können. Die übrigen Gesprächsteilnehmer, die meisten Inder und ein Brite, untersuchten die Zukunftsaussichten für eine Ministerpräsidentschaft von Sunak aus verschiedenen Blickwinkeln: Was bedeutet dies für die Beziehungen zwischen Indien und dem Vereinigten Königreich? Ob ein Inder nicht nur in dem geschlossenen Kreis der Tory Parlamentarier, sondern auch in den in zwei Jahren stattfindenden allgemeinen Wahlen gewinnen kann, wenn die Menschen in Großbritannien an der Wahlurne entscheiden, ob sie damit einverstanden sind, von einem farbigen Mann regiert zu werden? Was bedeutet eine Ministerpräsidentschaft von Sunak für das Pfund Sterling? Was bedeutet eine Ministerpräsidentschaft von Sunak für die britische Außenpolitik im Allgemeinen?

Als der letzte Gesprächspartner gab man mir die Möglichkeit, das Spielfeld auf den Kopf zu stellen und aufzuzeigen, dass Mr. Sunak, wenn er gewinnt, seinen Wahlsieg der … Londoner City zu verdanken habe. Dies nicht nur deshalb, weil er, bevor er vor sechs Jahren in das Unterhaus gewählt wurde, bei Goldman Sachs gearbeitet hat. Sondern weil die Londoner City alias „das Kapital“ oder „die Märkte“ gewissermaßen Liz Truss aus dem Amt gejagt hat, indem sie den dramatischen Sturz der Staatsanleihen und die Talfahrt des Pfunds hervorgerufen hat. Die Märkte haben auf einen einzelnen Impuls reagiert: die offensichtliche Inkompetenz, insbesondere die Ignoranz hinsichtlich der ökonomischen Gesetze, die die Ministerpräsidentin und ihr Finanzminister gezeigt hatten, als sie kurz nach ihrer Amtsübernahme ihr Mini-Budget vorgestellt haben. Die City war nicht an den ideologischen Überzeugungen der Ministerpräsidentin interessiert; sie waren daran interessiert, was funktioniert und was nicht funktioniert in der realen Welt.

Vielleicht fragen Sie, was daran außergewöhnlich sein soll? Außergewöhnlich daran ist, dass in dem Vereinigten Königreich noch immer das Kapital sagt und entscheidet, wer das Land regiert und wie. Diese ungeschminkte Tatsache allein mag die beste Rechtfertigung für den Brexit sein, denn sie hebt Großbritannien von allen anderen Ländern auf dem Kontinent ab. Hier in Europa sehen wir Inkompetenz bei den Premiers, in den Kabinetten bei einem Land nach dem anderen. Meist liegt das nicht daran, dass die Personen in den Machtpositionen dumm wären, sondern weil sie Ressorts übernommen haben, für die sie in ihrer Ausbildung oder in ihren beruflichen Laufbahnen keine Grundlagen dafür erworben haben. Sie bekommen ihre Ressorts oder ihre Führungspositionen ausschließlich durch politischen Kuhhandel mit Koalitionspartnern, die unterschiedliche Agenden haben und nur darauf aus sind, im Rahmen des gegebenen Repräsentationsspielraums einen Teil der Kriegsbeute aus einem Wahlsieg zu ergattern. Dasselbe gilt für die Europäische Kommission, die an der Spitze aller Mitgliedsstaaten sitzt und von dort aus ihre Befehle bellt. Welche Art von Qualität von wirtschaftlichen oder verteidigungspolitischen Entscheidungen kann man von einer Ursula von der Leyen erwarten, die von ihrer Berufsausbildung her Gynäkologin ist und die nach Brüssel die Treppe hinaufgefallen ist, nachdem sie als Ministerin daran gescheitert ist, das deutsche Verteidigungsministerium von Korruptionsskandalen zu säubern.

Hier in ganz Europa und insbesondere in Deutschland, das als die Lokomotive der europäischen Wirtschaft betrachtet wird, schweigt das Kapital. Es schweigt angesichts der Inkompetenz an höchster Stelle, die nicht weniger ungeheuerlich ist als diejenige, die Liz Truss gezeigt hat. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz zerstört die deutsche Wirtschaft durch sein stures, blödsinniges Beharren darauf, den deutschen und den EU Märkten den Zugang zu russischen Kohlenwasserstoffen zu verweigern.

Deutsche Unternehmen kündigen an, ihre Produktionsstätten in die Vereinigten Staaten oder in asiatische Länder zu verlegen, wo die Energiekosten erheblich niedriger und deren Endprodukte auf den globalen Märkten wettbewerbsfähig sind. Die Düngemittel-, Glas- und Metallindustrien fahren ihre Kapazitäten aufgrund der exzessiven Energiekosten schon herunter, während Herr Scholz vor den Fernsehkameras prahlt, dass Deutschland im kommenden Winter keinen Gasmangel haben werde, weil Deutschland von jedem nur denkbaren Verkäufer außer Russland Gas kaufen werde – ganz gleich zu welchem Preis. Trotzdem schweigen hier die Industrie und das Kapital zu der politischen Führerschaft, die für die sich abspielenden Katastrophe verantwortlich ist. Nur die Arbeiter gehen auf die Straße um sich über die Inflation und die untragbaren Energiekosten auf Haushaltsebene zu beschweren.

Die Frage, die mir der Moderator im Republic TV gestellt hat, war, welche Außenpolitik von einer Sunak Ministerpräsidentschaft zu erwarten sei. Für meine Antwort habe ich nicht lange gebraucht: es wird vermutlich eine von der Londoner City diktierte Politik sein. Ich erwarte, dass diese Politik moderater, weniger scharf und feindlich gegenüber Russland und China sein wird als die Politik von Boris Johnson oder Liz Truss. Nicht freundlich, verständlicherweise, aber auch nicht boshaft. Es ist unwahrscheinlich, dass Sunak davon sprechen wird, dass er bereits sei, auf den Atom-Knopf zu drücken. Irgendwann muss Realismus über Ideologie und die Blase triumphieren

Translated into German by Andreas Mylaeus

The City of London elects Sunak as next British Prime Minister!

Aside from the United Kingdom itself, there may be no single country taking a greater interest in the ongoing competition to replace Liz Truss as British Prime Minister than in India. After all, the leading contender for the post, Rishi Sunak, is of Indian descent and is married to the daughter of one of India’s richest men.

Against this background, a couple of hours ago I was delighted to participate alongside a half dozen other talking heads on a featured live broadcast hosted by Republic TV of India.  My fellow panelists, mostly Indians plus one Brit, examined the prospects of a Sunak premiership from various angles:  What will this mean for Indian-UK relations?  Whether an Indian can win not merely within the closed circle of Tory parliamentarians but in the next general election in two years time, when the people of Britain decide at the ballot box if they are content to be led by a man of color? What will a Sunak premiership mean for the pound sterling?  What does a Sunak premiership imply for British foreign policy generally?

As the last speaker, I was given the opportunity to upend the playing board and to suggest that Mr. Sunak, if he wins, will have been elected by ….the City of London.  This is not merely because he worked for Goldman Sachs before entering the House of Commons six years ago. It is because the City of London, aka Capital or The Markets effectively removed Liz Truss from office by facilitating the dramatic crash of gilts and the slide of the pound. The markets were responding to one stimulus: the evident incompetence, particularly the ignorance of economic laws demonstrated by the PM and her Chancellor of the Exchequer when they rolled out their mini-Budget shortly after taking office. The City was not interested in ideological convictions of the PM; they were interested in what works and what does not work in the real world.

Now what is extraordinary about that, you may ask? It is extraordinary that in the UK Capital still speaks, still decides who runs the country and how.  That raw fact alone may be the best justification for Brexit, because it sets Britain apart from every country on the Continent. Here in Europe we see incompetence in the premiers, in the cabinets of country after country. For the most part, it is not because the individuals in power are stupid, but because they have assumed portfolios for which they have had no grounding in their education or in their professional careers.  They receive their portfolios or leadership batons strictly through political horse-trading among coalition partners who have different agendas and agree only on the desirability of sharing out the spoils of electoral victory within the proportional representation schemes in place. And the same applies to the European Commission which sits atop all of the member states and barks orders. What is the quality of economic or defense decisions that you can expect to come from the desk of one Ursula von der Leyen, whose professional education was as a gynecologist and who was kicked upstairs to Brussels after she failed, as minister, to keep the German Defense Ministry free of corruption scandals.

 Here across Europe, and particularly in what is considered to be the locomotive of the European Union’s economy, Germany, Capital is silent.  Silent in the face of economic incompetence in high places no less egregious than that displayed by Liz Truss.  German Chancellor Olaf Scholz is destroying the German economy by his stubborn, asinine insistence on denying Russian hydrocarbons access to the German and EU markets.

German companies are announcing their transfer of production to the United States and Asian countries where the cost of energy is vastly lower and where their end products can be competitive on global markets.  In fertilizers and glass and metals, industry is already shutting down capacity due to excessive energy costs, while Mr. Scholz beams before the television cameras as he announces that Germany will not run short of gas this winter because of his purchases from every imaginable supplier except Russia, damn the price.  Nonetheless, Industry and Capital are silent here about the political leadership responsible for the pending catastrophe. Only workers come out on the streets to complain about inflation and unsupportable energy costs at the household level.

The question which the moderator on Republic TV tossed to me was what to expect by way of foreign policy from a Sunak premiership.  My answer took no time to formulate:  it is likely to be a foreign policy dictated by The City of London. I expect this policy to be more moderate, less strident and hostile towards Russia and China than the policy of Boris Johnson or Liz Truss.  Not friendly, you understand, but not vicious either. Sunak is unlikely to speak about his readiness to press the nuclear button. At some point Realism has to trump Ideology and the Bubble.

©Gilbert Doctorow, 2022

Postscript, 26 October 2022: Regrettably, it now appears that my expectations of a more Realist approach to foreign policy from a Prime Minister effectively installed by the City of London may have been unfounded, as we see from Sunak’s announcement of his new cabinet line-up. Though he has replaced many ministers from the Truss cabinet, he has changed nothing with respect to leadership of the critically important foreign and defense ministries, which will be led by James Cleverly and Ben Wallace, respectively. The real test of his intentions will be whether he accedes to the urgings of Wallace that defense spending be raised significantly at the same time that he wields the knife on social welfare in yet another round of Tory ‘austerity’ to reduce the overall budget deficit and to deal with rampant inflation. I reluctantly conclude that the viciously anti-Russian Financial Times may better reflect the mood of The City than I had assumed possible.

Russlands Nutzung von iranischen Drohnen in ihrem Ukraine Feldzug

Manchmal laufen Fernsehinterviews gut ab und ich kann in den paar Minuten Sendezeit ein vorbereitetes Manuskript, das ich auf der Grundlage der zuvor vorgelegten Fragen erstellt hatte, ohne Unterbrechungen vortragen. In der Regel gehen meine Antworten weit über die Intentionen des Fragestellers hinaus. Ich strebe danach, einen Gesichtspunkt herauszustellen, von dem ich weiß, dass er von den Medien übersehen wird, gleich ob Mainstream- oder alternative Medien. Meine Medien-Mediatoren sehen dies dankenswerterweise als einen freundlichen Kompromiss an, der viele neue Zuschauer bringt.

Manchmal, so wie letzte Nacht, wird das Interview von Journalisten gehandhabt, die mit mir und unseren kleinen Kompromissen nicht vertraut sind, sodass meine geplante programmatische Stellungnahme nicht gesendet wird. Sei’s drum. In dem vorliegenden Fall nutze ich diesen Raum, um die fehlende Nachricht über die Nutzung von Drohnen durch die Russen im laufenden Feldzug in der Ukraine zu übermitteln.

Mein Fragesteller war insbesondere interessiert an meiner Sicht über die Rechtmäßigkeit des Einsatzes iranischer Drohnen durch Russland, die sie angesichts der bestehenden UN-Verbote gar nicht erwerben dürften. Darüber hinaus werden diese illegalen Geschäfte noch durch Berichte verschlimmert, dass sich iranisches technisches Personal auf der Krim aufhält, um den Russen dabei zu helfen, diese ihnen unbekannten Waffen zu beherrschen. Meine Antwort war und ist: die Frage der „Rechtmäßigkeit“ oder „Unrechtmäßigkeit“ ist irrelevant in der gegenwärtigen Situation eines schmutzigen Krieges, in dem die Vereinigten Staaten und seine NATO-Alliierten jede nur denkbare Grundregel für „Stellvertreterkriege“ verletzen und de facto Kriegsparteien sind, weil sie militärisches Führungspersonal entsenden, die die ukrainischen Bodentruppen führt und den ukrainischen Militäreinheiten zeitgenaue Geheimdienstinformationen übermitteln, ganz zu schweigen von der Lieferung ihrer modernsten tödlichen Waffen an eine Seite des Konflikts.

Unter diesen Umständen von „Verletzungen des Völkerrechts“ zu sprechen bedeutet eine Rückkehr zu der hölzernen Sprache von John Foster Dulles in seiner Zeit als Außenminister auf dem Höhepunkt des Ersten Kalten Krieges. Dieser Ansatz war damals schon unproduktiv und ist es auch heute. Wenn sich Staaten im Krieg befinden, und sei es auch nur in einem Stellvertreterkrieg, gilt nur das Gesetz „die Macht hat Recht“. Die Vereinigten Staaten haben ihre weltweite Hegemonie in den vergangenen dreißig Jahren genau auf dieser Grundlage aufrechterhalten und es ist keinerlei Grund ersichtlich, den Russen den Zugang zu dieser Vorgehensweise zu verweigern.

Ja, die Russen lügen, wenn sie leugnen, wie sie dies in den Vereinten Nationen während der vergangenen Woche getan haben, dass sie iranische Drohnen beschafft und auf dem Schlachtfeld eingesetzt haben. Ja, die Iraner lügen, wenn sie dasselbe sagen. Aber Notlügen wie diese sind Schlüsselelemente der Kunst der Diplomatie, ebenso wie der Gebrauch von Doppelmoral, wenn die Aktionen des Feindes bewertet und die eigene selbstgerechte Scheinheiligkeit herausgestellt werden. Diesbezüglich somit nichts Neues unter der Sonne.

Damit komme ich zu dem, was ich für die relevantere Frage halte: Warum verwenden die Russen diese Drohnen? Bedeutet dies, dass ihre eigenen Waffenlager sich geleert haben? Weist dies auf Defizite bei der Waffenproduktion des russischen militärisch-industriellen Komplexes hin? Dies sind die Unterstellungen der westlichen Medienkommentatoren, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, die Russen wegen der Verletzung des Völkerrechts wegen der Geschäfte mit dem Iran zu beschimpfen.

Ich denke, es gibt hier zwei operative Prinzipien auf der russischen Seite. Das erste ist, ihre am weitesten entwickelten Waffensysteme aufzusparen, wie etwa ihre Überschallraketen, die jedes Luftabwehrsystem überwinden können, aber naturgemäß hohe Herstellungskosten verursachen und die nur für die wertvollsten Ziele verwendet werden sollten. Zudem müssen diese tödlichsten Waffen im russischen Arsenal soweit wie möglich zurückgehalten werden, um sie gegen die NATO-Streitkräfte in Europa einsetzen zu können, falls der Krieg weiter eskalieren sollte.

Aus diesen Gründen haben die Russen in ihrer jüngsten Aktion zur Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur zur Stromversorgung ihre verletzbareren Hochpräzisionsraketen einschließlich insbesondere der Iskander und Kalibr eingesetzt. Wie wir in den letzten paar Tagen gesehen haben, hat das ukrainische Militär behauptet, 50% oder mehr dieser einfliegenden Raketen abgeschossen zu haben, abhängig von der Dichte der lokalen Luftabwehrsysteme. Gleichzeitig haben die Russen für die kleineren Ziele wie Untersysteme der Stromversorgung erfolgreich iranische Drohnen eingesetzt, die naturgemäß von den traditionellen Luftabwehrsystemen schwerer abzuschießen sind. Wenn die Russen noch größere und stärkere Drohnen aus dem Iran bekommen, die sie kürzlich bestellt haben, können wir annehmen, dass diese auch auf noch anspruchsvollere Ziele gerichtet sein werden. Die Kosten-Nutzen-Analyse spricht zu deren Gunsten.

Weil einige Leser die Relevanz dessen in Frage gestellt haben, was ich über die Bedeutung der russischen politischen Talk-Shows für die Entscheidungsfindung im Kreml gesagt habe, weise ich darauf hin, dass auf die Beschaffung von Drohnen und von Boden-Boden-Raketen aus Iran in der Sendung „Der Abend mit Vladimir Solovyov“ von vor etwa zwei Monaten hingewiesen wurde und dass ich darüber zeitnah berichtet hatte. Gesprächsteilnehmer in jener Sendung hatten auch empfohlen, Artilleriemunition, Raketen und weitere Ausrüstung aus Nordkorea zu beschaffen. Dieses Material ist für die Russen leicht nutzbar, weil es weitgehend aus Kopien dessen besteht, was die Russen und die Chinesen in der Vergangenheit produziert haben. Ich erwarte, dass die britische und die amerikanische Presse in dem kommenden Monat oder so den Vorwurf erheben wird, es seien nordkoreanische Waffen in der Ukraine aufgetaucht. Ja, dies verletzt das „Völkerrecht“. Ja und? Es ist offenkundig absurd zu erwarten, dass Länder, die unter drakonischen internationalen Sanktionen stehen, keinen Handel miteinander treiben werden, wenn dies ihrer eigenen Selbstverteidigung dient.

Am Schluss nehme ich noch zu dem russischen Ziel der Zerstörung der Energie-Infrastruktur der Ukraine Stellung. Unsere westliche Medienpropaganda sieht hier nur ein Motiv: die ukrainische Bevölkerung erfrieren zu lassen um so Rache zu nehmen für die russischen Rückschläge auf dem Schlachtfeld im Osten und im Süden des Landes. Ich leugne nicht, dass die Demoralisierung der ukrainischen Zivilbevölkerung ein Faktor bei den laufenden russischen Angriffen ist. Auch diesbezüglich verweise ich auf die Solovyov Talk-Shows, wo ich gehört habe, dass erwähnt wurde, dass sich die Härten, die sich im Winter entwickeln, weitere neun Millionen Ukrainer dazu bringen könnten, auszuwandern und sich nach Westeuropa auf den Weg zu machen, wo sie ja so sehr geliebt werden. Jeder Vergleich zukünftiger Kälte in den ukrainischen Städten mit den Zuständen während der Kämpfe um Stalingrad, die westliche Medien heraufbeschworen haben, um in unseren rechtschaffenen Bürgern Horrorvorstellungen hervorzurufen, sind Unsinn: die Ukrainer haben Autos, sie haben Zugang zu internationalen Reisebussen und Zügen und sie können ihre Sachen nehmen und gehen, wann immer sie wollen.

Abgesehen von dem Ziel, die ukrainische Zivilbevölkerung aus dem Kriegsschauplatz zu vertreiben und so dem russischen Militär mehr Freiraum für den Sturm auf Städte zu schaffen, hat der laufende Angriff auf das ukrainische Stromversorgungsnetz einen übergeordneten Zweck: die Logistikkette zu unterbrechen, die westliche Rüstungsgüter zu den ukrainischen Streitkräften im Osten und im Süden des Landes über das weitgehend elektrifizierte ukrainische Schienennetz bringen. Wenn dies unterbrochen ist und der regelmäßige Zufluss von Ausrüstung und Munition gestoppt ist, dann wird die ukrainische Kampfkraft lahmgelegt und der Krieg wird, endlich, mit einer bedingungslosen Kapitulation an die Russen enden.

Translation into German by Andreas Mylaeus

Russia’s use of Iranian drones in its Ukraine campaign

Sometimes television interviews play out well and in the several minutes on air I get to present without interruption a script I prepared based on questions submitted in advance. My answers typically go well beyond the intentions of the questioner. I strive to set out a point of view that I know is being overlooked in media, whether mainstream or alternative media. My media hosts kindly see this as a fair trade-off that brings in many new viewers.

Sometimes, like last night, the interview is handled by journalists unfamiliar with me and with our little trade-offs, so that my planned programmatic statement does not get aired.  So be it.  In the given case, I use this space to deliver the message manqué about the Russian use of drones in their ongoing military campaign in Ukraine.

My questioner was particularly interested in my view of the legalities of Russian deployment of Iranian drones that, under existing UN sanctions, they should not be acquiring. Moreover, the illegal transactions are aggravated by the reported presence of Iranian technical staff in Crimea to help the Russians master the use of these unfamiliar weapons. My response was and is: ‘legalities’ are irrelevant to the present situation of a dirty war in which the United States and its NATO allies are violating whatever ground rules there are for ‘proxy wars’ and are de facto co-belligerents through their secondment of military officers to guide Ukrainian military units on the ground and by their sharing real time military intelligence with the Ukrainians, not to mention by their deliveries of their latest most lethal weapons systems to one side in the conflict.

To speak of ‘violations of international law’ in these circumstances is to revert to the wooden language of John Foster Dulles at the State Department during the height of the First Cold War. This approach was nonproductive then and remains so today.  When nations are at war, even proxy war, the only law is ‘might makes right.’  The United States has maintained its global hegemony over the past thirty years precisely on that basis and there is no reason whatsoever to deny to the Russians equal access to that modus operandi.

Yes, the Russians are lying when they deny, as they have done in the United Nations over the past week, that they procured and are using Iranian drones on the battlefield.  Yes, the Iranians are lying when they say the same. But polite lies such as these are one of the key arts of diplomacy, along with use of double standards when evaluating the actions of an enemy and displays of self-righteous hypocrisy.  Nothing new here under the sun.

From this, I turn to what I consider the more relevant question:  why are the Russians using these drones?  Does it mean their own weapons stores have been run down? Does it point to some manufacturing deficiency of the Russian military-industrial complex?  These are the innuendos put up by Western media commentators when they are not bashing the Russians for violating international law over trading with Iran.

I believe there are two operative principles on the Russian side. The first is to use sparingly their most advanced weapons systems, such as their hypersonic missiles, which can evade all air defense systems but which are by nature very costly to produce and should be used only at the highest value targets. Moreover, these most deadly weapons in the Russian arsenal must be held in reserve to the greatest extent possible for use against NATO forces in Europe if the war escalates further.

For these reasons, the Russians have been using in their latest drive to destroy the Ukrainian electricity infrastructure their more vulnerable high precision cruise missiles including, in particular, the Iskander and Kalibr.  As we have seen in the past few days, the Ukrainian military claims to shoot down 50% or more of these incoming missiles, depending on the density of the local air defense systems.  At the same time, for the smaller targets like power substations, the Russians are effectively deploying Iranian drones, which, by their nature, are much more difficult for traditional air defense systems to down.  When the Russians begin to receive still larger and more powerful drones from Iran which they have recently ordered, we may presume that they will be directed at more ambitious targets as well. The cost-benefit analysis speaks in their favor.

Since some readers have questioned the relevance of what is said on Russian political talk shows to decision-making in the Kremlin, I point out here that procurement of drones, and also of ground to ground missiles from Iran was tipped on the Evening with Vladimir Solovyov program nearly two months ago and I reported on this at the time.  Panelists on that show also recommended procurement of artillery munitions, missiles and other equipment from North Korea. This materiel is easily usable by the Russians because it consists largely of copies of what the Russians and Chinese produced in the recent past. I fully expect us to find the British and American press making accusations about the appearance of North Korean weapons in Ukraine in the coming month or two.  Yes, this ‘violates international law.’  And so what? It is patently absurd to expect countries that are under draconian international sanctions not to trade with one another for their own best national defense.

Finally, I add a word about the Russian objective of destroying the energy infrastructure of Ukraine.  Our Western media propaganda sees only one motive here: to freeze the Ukrainian civilian population and so to take revenge on them for Russia’s losses on the field of battle in the East and South of the country.  I do not deny that demoralization of the Ukrainian civilian population is one factor in the ongoing Russian attacks.  Again, pointing to the Solovyov talk shows, I heard mention there of how the hardships pending in advance of winter may compel another 9 million Ukrainians to emigrate and go to Western Europe, where they seem to be so loved. All comparisons of the coming freeze in Ukrainian cities with the Stalingrad battle, which Western media have put up on the screen to elicit horror in our righteous citizenry, are rubbish:  the Ukrainians have cars, they have access to international buses and trains and they can pick up and leave whenever they wish to.

Apart from further removing the Ukrainian civilian population from the theater of war and so freeing up the Russian military to storm cities, the ongoing attack on the Ukrainian power grid has one overriding purpose: to disrupt the logistical chain that brings Western military equipment to the Ukrainian military forces in the East and South of the country via the (electrified) Ukrainian train network. If that is disrupted, and the regular flow of equipment and munitions is halted, then the Ukrainian war capability will be knocked out and the war will come to an end, finally, with unqualified capitulation to the Russians.

©Gilbert Doctorow, 2022

Saudi-Arabien und die De-Dollarisierung: heutiges Interview auf Press TV, Iran

18 Oktober 2022

In dem heutigen kurzen live-Interview auf Press TV erhielt ich die Gelegenheit, die kürzlich angekündigte Entscheidung der Saudis zu bewerten, die Vertreter der U.S. Regierung von deren jährlicher Investment Konferenz auszuschließen, die für den 25. Oktober geplant ist. Ich stelle diese Entscheidung in den breiteren Kontext der in den vergangenen paar Monaten vorgenommenen Neuausrichtung der Saudis und der Golfstaaten weg von dem globalen Hegemon, der deren traditioneller Sicherheitsgarant war, hin zu einer Partnerschaft mit Russland mit dem Ziel der Schaffung einer multi-polaren Welt.

Das Pendant zu dieser neuen Politik der Saudis ist die De-Dollarisierung. Vor dem Hintergrund der historischen Rolle des Petrodollars, die bis in die 1970er Jahre zurückreicht und die die Rolle des Dollars als globale Reservewährung gesichert hat, ist die Verschiebung hin zu einem bilateralen Ölhandel in lokalen Währungen durch die Saudis von immenser Bedeutung dafür, den weltweit größten Schuldner dazu zu zwingen, seine Kriege und anderen Extravaganzen aus seiner eigenen Tasche zu bezahlen und nicht aus den Taschen vom Rest der Welt. Dieser Prozess könnte sich jetzt viel schneller vollziehen als amerikanische Finanzanalysten bisher angenommen haben.

Siehe http://www.urmedium.com/c/presstv/118823

********

Die Organisatoren der Investment-Konferenz der Saudis sagen: „Wir wollen nicht, dass das Treffen zu einer politischen Plattform wird.“

Transcript

Frage: Sir, der Grund, den die Organisatoren des Events dafür angeben, amerikanische Regierungsvertreter nicht zu der Konferenz einzuladen, dass sie nämlich nicht möchten, dass die Konferenz nicht zu einer politischen Plattform wird, klingt etwas ironisch, denn diese Entscheidung, die U.S. Regierung auszuschließen, ist von ihrem Wesen her politisch.

Antwort: Ich stimme ihrer Schlussfolgerung vollständig zu. Natürlich muss diese spezielle Entscheidung in einen weltweiten Kontext gestellt werden, einen Kontext von Neuausrichtungen und Veränderungen hin zu einer multi-polaren weltweiten Umwelt seit dem Beginn der russischen militärischen Spezialoperation im Februar dieses Jahres. In einer Talk-Show im russischen Fernsehen gestern Abend hat einer der Teilnehmer bemerkt, dass viele Russen seit dem 24. Februar eine dramatische Erkenntnis gewonnen haben: es war, wie wenn man in einem dunklen Raum plötzlich das Licht angeht. Man schaltet das Licht an und sieht alle die Ratten, wie sie umherhuschen und den Ausgang suchen. Und man findet, dass diejenigen, von denen man gemeint hat, es seien Freunde, keine Freunde sind, und dass Leute, deren Positionen im Hinblick auf dein Land nicht wirklich sicher waren, feste Freunde werden. Und dass ist es exakt, was wir heute sehen. Etwas klarer: der Iran und die Türkei haben sich als führende Freunde Russlands herausgestellt in dem Sinn, dass sie Russland in materieller Weise unterstützen und nicht nur durch Reden oder Diplomatie, während Russland seinen Kampf in der Ukraine fortsetzt. Die Entscheidungen der OPEC unter der Führung von Saudi-Arabien gehören in dieselbe Kategorie. Es war unvorhersehbar, dass die Golfstaaten und Saudi-Arabien ihre Präferenzen in der Reihe ihrer Freunde so ändern würden, wie sie es seit einigen Monaten getan haben. Die Entscheidung, Biden angesichts seiner Bitte um Reduzierung der Ölförderung zu brüskieren, ist Teil einer breiteren Entwicklung in der saudi-arabischen Politik und ich denke insbesondere im Hinblick auf die Abkehr vom Dollar, die De-Dollarisierung des Ölhandels, wie wir das in der saudischen Beziehung mit China sehen. Das ist kein kleines Detail. Wenn die Menschen von der De-Dollarisierung in der weltweiten Wirtschaft sprechen, reden wir nicht darüber, dass Tomaten und Fernsehgeräte oder iPhones in bilateralen Währungen bewertet werden. Wir sprechen über diejenigen, die große Mengen an Währungen bewegen, und zwar von den wichtigsten Rohstoffen und unter den wichtigsten Rohstoffen sind keine wichtiger als Öl und Gas. Das gesamte Petrodollar-Regime, das seit den 1970er Jahren das weltweite Finanzsystem dominiert, hat seinen Ursprung im Handel mit diesen Rohstoffen und Saudi-Arabien war ein führender Akteur bei der De-Dollarisierung und unterstützt damit de facto die russische Forderung nach mehr Multi-Polarität. Daher steht die kürzliche Entscheidung hinsichtlich der Ausladung der amerikanischen Investoren in Übereinstimmung mit den sich derzeit abspielenden geopolitischen Neuorientierungen.

Frage: Mr. Doctorow, es ist geplant, dass eine Reihe von führenden amerikanischen Geschäftsleuten, einschließlich solcher von J.P. Morgan und Boeing, an der Konferenz teilnehmen. Es scheint, dass wenn es um lukrative Geschäfte und Profite geht, diese Firmen bereit sind, vom U.S. Regierungspfad abzuweichen und die Kritik an den saudi-arabischen Menschenrechtsverletzungen zu ignorieren.

Antwort: Nun, wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Die amerikanische Geschäftswelt ist sehr furchtsam. Sie wird in die Richtungen fliegen, in die die Regierung zeigt, und sie fliegt nicht in Gegenden, die unter enger kritischer Beobachtung der U.S. Regierung stehen. Egal, wie die Präferenzen und das Profitstreben der wichtigen Firmen, die sie genannt haben, liegen, halte ich es für zweifelhaft, dass sie bei Investitionen und Geschäftsentscheidungen sehr weit von dem abweichen, was die U.S. Regierung missbilligt.

Translation into German by Andreas Mylaeus

Saudi Arabia and de-dollarization: today’s interview on Press TV, Iran

In today’s brief live interview on Press TV, I was given the opportunity to evaluate the newly announced decision of the Saudis to exclude representatives of the U.S. Government from their annual investment conference planned for the 25th of this month. I place this decision in the broader context of Saudi and the Gulf States’ realignment these past several months away from the global hegemon that has been their traditional security guarantor and towards partnership with Russia in creation of a multi-polar world. 

The counterpart of this new Saudi policy is de-dollarization. Given the historic role of the Petrodollar going back to the 1970s in securing the dollar’s position as global reserve currency, the implications of a shift to bilateral petroleum trading in local currencies by the Saudis holds great importance for compelling the world’s biggest debtor to start paying for its wars and other extravagances from its own pocket and not from the pockets of the Rest of the World. This process may now move much more quickly than American financial analysts have assumed.

See http://www.urmedium.com/c/presstv/118823

Es ist an der Zeit, sich wieder Sorgen zu machen!

Einige Leser haben in direkten Emails an mich zum Ausdruck gebracht, dass sie aus meinen Schriften Trost geschöpft haben, weil ich eine moderate Stimme war, die den Alarmismus über die oft bekümmernden täglichen Nachrichten über und rund um den russischen Krieg mit der Ukraine, oder heute besser gesagt, Russlands Stellvertreterkrieg mit der NATO in und über die Ukraine, vermieden habe.

Aus genau diesem Grund habe ich gezögert, den tiefen Pessimismus mit den Lesern zu teilen, der mich vor einigen Tagen überkam hinsichtlich unserer Chancen, ein nukleares Armageddon zu vermeiden. Dieser war dadurch verursacht, dass ich die letzte politische Talk-Show von Solovyov im russischen Staatsfernsehen gesehen hatte. Ich habe diese Sendung regelmäßig als Lackmustest für die Stimmungslage der russischen gesellschaftlichen und politischen Eliten genutzt: diese Stimmungslage hat sich auf schwarz verändert.

Während ich in der Vergangenheit, vor sechs Monaten oder mehr, über die offene Verachtung berichtet hatte, die führende und höchst verantwortliche russische Akademiker aus Universitätskreisen und Denkfabriken gegenüber der amerikanischen politischen Führerschaft und deren Stellungnahmen in politischen Talk-Shows gezeigt haben, hat sich diese Verachtung in einen umsetzbaren Aktionismus verwandelt. Damit meine ich, dass ernsthafte, gottesfürchtige Russen derart aufgebracht sind über die Schundpropaganda, die aus Washington kommt und die mit dem Megaphon in Europa wiederholt wird, dass sie, wenn sie die Gelegenheit hätten, persönlich „auf den Knopf drücken“ und Atomschläge auf die Vereinigten Staaten und Großbritannien, in dieser Reihenfolge, auslösen würden, sogar auf die Gefahr eines Gegenschlages hin, der, wenn auch abgemildert, verheerend für ihr eigenes Land wäre. Das bedeutet, dass Abschreckung als Politik schnell ihre psychologische Wirkung auf die russische Seite der Auseinandersetzung verliert.

Gleichgültig, wie die Worte der Biden-Administration darüber lauten, dass der Atomkrieg „vom Tisch sei“, das amerikanische aggressive und drohende Verhalten, einschließlich der fortlaufenden „Übungen an Atomwaffen“ in Europa unter U.S. Leitung, haben rationale und sehr ernsthafte Russen dazu gebracht, es auf einen Versuch ankommen zu lassen.

Einer der besonnensten Experten für internationale Angelegenheiten, der in der Solovyov-Show aufgetreten ist, Yevgeny Satanovsky, Präsident der Denkfabrik „Institut für den Nahen Osten“, hielt seine Wut nur mit einiger Mühe zurück, und sagte nur, während er früher einige Sympathie für die Vereinigten Staaten gehabt habe, würde er jetzt deren vollständige Zerstörung mit wenig Bedauern betrachten; welchen Weg er hierfür sehe, sagte er nicht, aber er fügte hinzu, dass er dazu live in einer Sendung nicht mehr sagen könne, weil er befürchten müsse, dass er zensuriert und seine Worte aus dem Video entfernt würden.

Aus diesen Gründen habe ich für diesen Essay, der an den kollektiven Westen und insbesondere an die Anstifter der Weltunordnung in Washington und London gerichtet ist, einen Titel gewählt, der der gegenwärtigen Situation entspricht.

                                                                      *****

Wie wir bereits vor dem Beginn der „speziellen Militäroperation“ gesehen haben, haben russische Talk-Shows Personen des Biden Teams beim Namen genannt, deren außerordentliche Dummheit, Beschränktheit und ungeheure Ignoranz sie untragbar finden, in der Art wie etwa Antony Blinken, Jake Sullivan und Lloyd Austin, die speziell erwähnt wurden. Wir bleiben mit dem Eindruck zurück, dass Biden, wenn er seine Berater in das Oval Office ruft, seniler Schwachkopf, der er ist, er trotzdem die hellste Kerze auf dem Kuchen ist. Die Russen schließen daraus, dass sie niemanden haben, mit dem sie verhandeln könnten.

Dieses Benennen von Ross und Reiter von Idioten in hohen Positionen wird jetzt auch auf die Erörterung über die Führer in der Europäischen Union und in Großbritannien ausgeweitet. Das Anprangern von Inkompetenz, blanker Dummheit und, ja, neokolonialistischer oder faschistischer Denkweise bei europäischen Führern wurde in der letzten Solovyov-Show reflektiert. Der am meisten erwähnte Prügelknabe war der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, der scheinbar täglich zur Welt spricht und sich bei seinen Äußerungen keinerlei Beschränkungen auferlegt, gerade so, als wäre dies die offizielle EU-Politik sowohl in Sachen Verteidigung als auch in Sachen Diplomatie.

Die Solovyov-Show zeigte einen kurzen Videoausschnitt von Borrell, in dem er selbstgefällig darlegt, in welch privilegierter Situation sich Europa als „Garten für liberale Demokratie, gute wirtschaftliche Aussichten und soziale Solidarität“ befindet, ringsum umgeben vom „Dschungel“. Dieser Dschungel-Vergleich passt gut, bemerkte Solovyov, zu der kolonialistischen Denkweise eines Rudyard Kipling und seiner tiefen Abneigung zum Rest der Welt, zu dem auch Russland gehört. Genauer gesagt, war Borrell in Russland vergangene Woche bekannt wegen seiner Aussage, dass jeder russische Gebrauch von Atomwaffen in der Ukraine von einem massiven nicht-nuklearen Gegenschlag Europas beantwortet würde, der die russische Armee „auslöschen“ würde. Borrell war dabei aber nicht allein: auch andere europäische Politiker wurden wegen ihrer dummen Politik angeprangert, einschließlich der deutsche Kanzler Olaf Scholz und der französische Präsident Emanuel Macron.

Also: Du hast keinen Bunker? Dann, wie die Russen vor Jahrzehnten sagten, ist es höchste Zeit, dass Du Dir ein Bettlaken über die Schultern wirfst und langsam zum nächsten Friedhof wanderst.

                                                                                   *****

Eine der beiden jüngsten Fakenews-Stories, die gleichzeitig und überall in den wichtigsten westlichen Medien verbreitet wurden, ist, dass Russland überlegt, gegen die Ukraine „taktische Nuklearwaffen“ einzusetzen, d.h. Sprengköpfe mit einer Zerstörungskraft vergleichbar der Hiroshima-Nagasaki Bomben, montiert auf Cruisemissiles oder Mittelstreckenraketen. Unsere Print- und elektronischen Medien spekulieren darüber, wie viele Sprengköpfe Russland derzeit besitzt (2.000 oder mehr), als ob das bei einem Angriff auf die Ukraine irgendeinen Unterschied machen würde.

Unsinn sagen die Russen an der Solovyov-Show: wir brauchen keine Atomwaffen, um die Ukraine fertig zu machen. Die einzigen Nuklearstreitkräfte, die wir in der derzeitigen Situation einsetzen würden, sind strategische Waffen und die sind gerichtet gegen… Washington, mit Hilfe der Sarmat und Poseidon Abschusssysteme.

Die andere wesentliche von den westlichen Medien in den letzten Tagen massiv verbreitete Fakenews ist die Behauptung, dass die Russen versuchen, die Ukrainer durch die Schläge gegen die Stromversorgungsinfrastruktur erfrieren zu lassen. Bilder von Stalingrad werden von unseren Fernsehanstalten heraufbeschworen. Es wird gesagt, ein ähnlicher Kältetod solle auch Europa treffen durch die Unterbrechung der russischen Energieversorgung für die EU.

Auch das ist Unsinn, sagen die Diskussionsteilnehmer im Solovyov-Programm. Der Angriff auf das Stromnetz der Ukraine ist nicht gegen die Zivilbevölkerung per se gerichtet; er gilt dem Versuch, die Bahntransporte fortschrittlicher Waffensysteme und Munition zu unterbinden, die über die polnische Grenze in die Ukraine gelangen und mit Zügen an die Fronten im Osten und im Süden des Landes gebracht werden. Ohne diese Lieferungen wird die ukrainische Armee kaputt gehen und der Krieg kann frühzeitig beendet werden durch die Kapitulation von Kiew. Was die EU betrifft, ist jedes Frieren im kommenden Winter einzig und allein auf die unprofessionellen und ignoranten Entscheidungen der EU-Kommission hinsichtlich der Importe von Kohlenwasserstoffen aus Russland zurückzuführen, denen die Mitgliedstaaten blindlinks gefolgt sind ohne hinlängliche Berücksichtigung der Folgen für ihre eigenen Bevölkerungen.

                                                                           *****

Der kollektive Westen spricht von „Scheinreferenden“ in den vier ukrainischen Gebiete, die jetzt wieder in die Russische Föderation reintegriert wurde (oder annektiert, je nach eurer Politik). In diesem Geist hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen Mitte letzter Woche überwiegend eine von den U.S. geförderte Resolution verabschiedet, in der die Rechtmäßigkeit dieser Annexion verneint wurde. Unter denen, die gegen Russland gestimmt haben waren so prominente „freundliche Staaten“ wie Serbien und Ungarn. Einhundertvierzig Staaten stimmten mit den Vereinigten Staaten; vier Staaten, einschließlich die Paria-Regimes in Venezuela und Nordkorea, schlossen sich der „Nyet“-Stimme Russlands an und fünfunddreißig Staaten enthielten sich.

Die Vereinigten Staaten trompeteten diesen Sieg bei der UN über die bösartigen und Regeln brechenden Russen hinaus. Borrell, der Chefdiplomat der EU, freute sich auch hämisch, obwohl er sein Bedauern zum Ausdruck brachte, dass 20% der Mitgliedsstaaten nicht für die Resolution gestimmt hat.

Die Russen bestehen ihrerseits darauf, dass diese Abstimmung ein Schwindel war angesichts der Zuckerbrot und Peitsche Politik, die U.S. und europäische Diplomaten benutzt haben, um das von ihnen gewünschte Ergebnis zu erreichen. Erpressung jeder Art wurde angewandt, sagen die Russen. Zudem ist die Anzahl der Länder in dem jeweiligen Lager nur ein Teil der Geschichte: unter den Ländern, die sich enthalten haben, waren Indien und China, die allein 35% der Menschheit ausmachen.

Derweil hat drüben in Europa die Parliamentary Assembly of the Council of Europe in Straßburg eine siebenseitige Resolution mit zahlreichen Einzelangaben angenommen, nach der die 46 Mitgliedstaaten Russland zum „Terrorstaat“ erklären sollte und in der Russland wegen seiner angeblichen Aggression gegen die Ukraine verurteilt wird, so, wie es Zelensky von ihnen verlangt hatte. Nach der Veröffentlichung über die Abstimmung sollen 99 für die Resolution gewesen sein, 1 dagegen. In der Veröffentlichung war aber nicht erwähnt worden, dass die tatsächliche Anzahl der Abgeordneten in dieser Kammer 306 beträgt. Dieser Punkt wurde beim dem Diskussionsforum bei der Solovyov-Sendung nicht übersehen, das auch hier „foul“ gerufen hat.

Abgesehen von diesen beiden Abstimmungen, auf die die westlichen Propagandamedien so viel Aufmerksamkeit gelenkt haben, haben andere internationale Entwicklungen stattgefunden, die sich auf das Ansehen Russlands in der Weltgemeinschaft bezogen haben, die zu ignorieren sich die westlichen Medien jedoch entschlossen haben, die aber in russischen Medien prominent dargestellt wurden.

Ich denke insbesondere an die drei Tage des Gipfels in Astana, der Hauptstadt Kasachstans. Das erste dieser Treffen brachten 27 Staatschefs aus ganz Asien zusammen, von Israel und Palästina, Qatar und den Emiraten im Westen bis Korea im Osten. Wir sollten uns daran erinnern, dass eine gute Zahl von Teilnehmern von Ländern stammte, die in der Generalversammlung der UN gegen Russland gestimmt hatten. Ihre Anwesenheit straft die Behauptung Lügen, diese würden Russland aus der politischen Gemeinschaft ausschließen.

Die zentrale Persönlichkeit an dem Treffen der 27 war eindeutig Vladimir Putin. Filmausschnitte aus dem russischen Fernsehen zeigten ihn in angeregter Unterhaltung mit diesen Staatschefs in Gruppen- und Einzelgesprächen. Von diesen Begegnungen war wahrscheinlich die bedeutsamste das Vier-Augen-Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan, in dem die beiden unmittelbare Schritte zur Umsetzung des russischen Vorschlags besprochen haben, wonach eine neue Pipeline zu Turk Stream hinzugefügt wird, sodass die Möglichkeiten, Gas über diese südliche Route durch den Balkan nach Europa zu transportieren, erheblich verbessert werden. Nach diesem Konzept wird die Türkei ein bedeutender Hauptumschlagplatz für Gas werden, was die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches des türkischen Staatschefs bedeutet.

Als Hauptumschlagplatz könnte die Türkei russisches Gas mit Zuflüssen aus Aserbaidschan und später möglicherweise aus Turkmenistan mischen, sodass das verkaufte Produkt als türkischer Export schussfest gegen amerikanische oder europäische Sanktionen wäre. Die zusätzliche Röhre könnte vermutlich innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden, d.h. schneller als eine problematische Reparatur der beschädigten Nord Stream 1 Pipelines.

Am nächsten Tag fand in Astana ein weiterer Gipfel mit den Staatschefs der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten statt. Dieser verkleinerte Kreis von Mitgliedern war ebenfalls sehr wichtig, weil er Russlands Bedeutung als Vermittler diplomatischer Lösungen zwischen den Mitgliedstaaten bestätigt, die in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, in erster Linie die Aserbaidschaner und die Armenier.

Und der letzte Gipfel mit den Zentralasiatischen Republiken und Russland hatte eine noch andere wichtige Tagesordnung: eine Einigung über Sicherheitsmaßnahmen, um sich zu wappnen gegen ein Überschwappen des sich entwickelnden Bürgerkrieges auf ihre Gebiete, wo die U.S. und Großbritannien in Afghanistan extremistische Gruppierungen unterstützen, um die Herrschaft der Taliban zu stürzen. Nach der Körpersprache der Staatschefs schien es, dass Putins Gehör sehr gefordert war. Die Beziehung mit dem Staatschef von Kasachstan, Tokaev, schien wieder stabil, nach einer schwierigen Periode von mehreren Monaten zu Beginn dieses Jahres.

In Anbetracht der Bedeutung dieser Treffen denke ich an eine Bemerkung, die vor einigen Tagen in einer andere Solovyov-Show gemacht wurde, im Zusammenhang der Entscheidung der Saudis und der Golfstaaten, die beharrliche Forderung von Biden, dass die Ölproduktion gesteigert werden solle, zu düpieren: die Entscheidung, gemeinsame Sache mit Russland zu machen, kam nicht aus Mitleid mit dem Schwachen, sondern aus Realismus, nämlich der Überlegung, dass Russland in der militärischen Auseinandersetzung mit der NATO/der Ukraine gewinnen wird. Diese Herrscher in der OPEC, ebenso wie die Herrscher, die vergangene Woche nach Astana gekommen sind, unterstützen Sieger und nicht zukünftige Verlierer.

Wenn ich aus der im Übrigen trostlosen vorstehenden Analyse irgendeine positive Schlussfolgerung ziehe, dann diejenige, dass Russland erfolgreich dem massiven Druck der U.S. und der EU widersteht und sich die Welt vor unseren Augen in eine mehr multipolare und demokratische Richtung orientiert. Aber trotzdem, die Befürchtung über Fehlkalkulationen auf der einen oder der anderen Seite in dieser angespannten und noch nie dagewesenen Auseinandersetzung bedeutet, dass Armageddon ständig im Hintergrund droht.

Translation into German by Andreas Mylaeus